Wer braucht noch Freunde oder Nachbarn, wenn man eine App hat, die sich fragt, ob man noch lebt? In China stürmt gerade eine App mit dem zärtlichen Namen „Bist du tot?“ (im Original: sileme) die Charts – ein echter digitaler Kumpel für alle, die lieber alleine wohnen und darauf vertrauen, dass eine E-Mail ihre Existenz bestätigt.
Die Funktionsweise ist bestechend einfach: 48 Stunden Funkstille – zack, Geisteralarm! Die App schickt dann automatisch eine Mail an deinen „Notfallkontakt“ mit der vermutlich tröstenden Botschaft: „Dein Bekannter könnte tot sein. Oder hat halt nur das WLAN vergessen.“
Ein Geist als App-Symbol – subtil wie ein Vorschlaghammer, aber immerhin ehrlich. Die App sieht sich selbst als Sicherheitstool, was vermutlich die schönste Umschreibung für „digitale Totenwache“ ist, seit es Push-Benachrichtigungen gibt.
Dass ausgerechnet diese App in einem Land durchstartet, in dem Eheschließungen aus der Mode und Einpersonenhaushalte in Mode geraten sind, wirkt beinahe poetisch. Früher haben besorgte Mütter täglich angerufen – heute übernimmt das ein Algorithmus. Fortschritt!
Und natürlich gibt’s auch Datenschutz: Du musst nur deinen Namen und einen Notfallkontakt angeben – der Rest ist Schweigen. Wirklich. Schweigen. 48 Stunden lang.
Was kommt als Nächstes?
Eine App namens „Hast du schon gegessen?“, die bei leerem Kühlschrank Lieferdienste alarmiert?
Oder „Riechst du komisch?“, mit Geruchssensor fürs smarte Zuhause?
Aber hey: In einer Welt, in der digitale Haustiere schon Gefühle hatten, ist eine App, die dich nur liebt, wenn du dich meldest, fast schon romantisch.
Fazit:
Einsamkeit war gestern traurig. Heute ist sie marktfähig, monetarisiert und hat ein Geist-Icon. Bleibt nur eine Frage: Wenn man tot ist, aber das Abo weiterläuft – zählt das dann als aktiver Nutzer?
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