Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, ist aber bittere Realität: Im südindischen Bundesstaat Kerala schlagen Gesundheitsbehörden wegen einer besorgniserregenden Zunahme von Infektionen mit der sogenannten „hirnfressenden Amöbe“ Naegleria fowleri Alarm. Die Zahl der Todesfälle hat sich binnen eines Jahres verdoppelt. Nun wird eine nationale Taskforce einberufen.
Allein im Jahr 2025 wurden bislang 72 bestätigte Infektionen gemeldet – 19 Menschen sind daran gestorben. Besonders dramatisch: Allein im Monat September verzeichnete man 24 Fälle und 9 Tote – eine alarmierende Häufung. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr zählten die Behörden in Kerala 36 Infektionen und 9 Todesfälle.
Tödlich in über 95 Prozent der Fälle
Die Amöbe Naegleria fowleri, die in warmem Süßwasser wie Seen, Flüssen oder unzureichend chlorierten Pools lebt, ist medizinisch gefürchtet. Sie dringt durch die Nase in den Körper ein, wandert entlang des Riechnervs ins Gehirn – und beginnt dort, Nervenzellen zu zerstören. Die Folge ist eine sogenannte primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) – eine Gehirnentzündung, die in 95 Prozent der Fälle tödlich verläuft.
„Die Infektion ist selten, aber fast immer tödlich“, warnte auch die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC. Die Krankheit verläuft rasant: Anfangs zeigen sich grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Übelkeit. Innerhalb weniger Tage können sich diese zu Anfällen, Halluzinationen, Bewusstseinsverlust und Koma entwickeln. Ein wirksames Heilmittel gibt es bislang nicht.
Keine Ballungszentren mehr – Verbreitung in der Fläche
Besonders beunruhigend ist für die Experten, dass sich die Infektionen nicht mehr auf einzelne Regionen beschränken. Der Arzt Dr. Altaf Ali, Mitglied der staatlichen Taskforce in Kerala, erklärte gegenüber lokalen Medien: „Wir sehen nun ein weit verstreutes Infektionsmuster – nicht mehr nur lokale Häufungen.“ Die Behörden haben daraufhin großflächige Testprogramme gestartet, um Verdachtsfälle frühzeitig zu erkennen und Ausbrüche einzudämmen.
Ursache: Steigende Wassertemperaturen?
Fachleute vermuten, dass der Klimawandel eine Rolle spielt. Durch anhaltende Hitzewellen und steigende Temperaturen in Gewässern finden die Amöben in vielen Regionen ideale Bedingungen zur Vermehrung. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die im Sommer in Flüssen und Seen baden, steigt damit das Risiko einer Ansteckung – wenn Wasser in die Nase gelangt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dringend zur Vorsicht: In Regionen mit bekannten Fällen sollten Menschen beim Schwimmen in warmem Süßwasser Nasenklammern tragen oder auf das Baden ganz verzichten – insbesondere in der Trockenzeit oder bei niedrigen Wasserständen.
Weltweit selten – aber mit wachsender Besorgnis beobachtet
Weltweit sind laut WHO seit 1962 rund 550 Fälle dokumentiert worden – mit Schwerpunkten in den USA, Indien, Pakistan und Australien. Aufgrund der extrem hohen Sterblichkeitsrate gilt jeder einzelne Fall als medizinischer Notfall.
In Indien, wo die medizinischen Kapazitäten in ländlichen Regionen begrenzt sind, ist die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung groß. Die Regierung kündigte umfassende Aufklärungs- und Präventionskampagnen an.
Fazit: Eine seltene, aber extrem gefährliche Bedrohung
Die Zahlen in Kerala sind zwar im internationalen Vergleich niedrig – doch die rasant steigenden Todesfälle alarmieren die Behörden und Mediziner gleichermaßen. Die „hirnfressende Amöbe“ ist kein Mythos, sondern eine stille, tödliche Gefahr, die mit jedem Sprung ins warme Süßwasser Realität werden kann.
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