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TikTok USA

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Der Deal zur Sicherung der Zukunft von TikTok in den USA ist nun offiziell abgeschlossen. Einen Tag vor Ablauf der von Donald Trump gesetzten Frist zur Ausgliederung der US-Geschäfte aus dem chinesischen Mutterkonzern ByteDance wurde das neue Gemeinschaftsunternehmen formell gegründet und sein Führungsteam vorgestellt.

Damit endet ein jahrelanger politischer und rechtlicher Streit um die Zukunft der Videoplattform in den Vereinigten Staaten. Ziel des Deals ist es, TikTok dauerhaft im US-Markt zu halten und zugleich die immer wieder geäußerten nationalen Sicherheitsbedenken auszuräumen.

Das neu geschaffene Gemeinschaftsunternehmen soll mehrheitlich in amerikanischer Hand sein und mit klar definierten Schutzmechanismen arbeiten. Dazu zählen umfassende Regeln zum Datenschutz, zur Sicherheit des Empfehlungsalgorithmus, zur Inhaltsmoderation sowie technische Garantien für US-Nutzer. Dies erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung.

An der Spitze des neuen Unternehmens steht CEO Adam Presser, der zuvor für TikTok den Schutz der US-Nutzerdaten verantwortete. Zum Chief Security Officer wurde Will Farrell ernannt, der bereits zuvor für Datenschutz und IT-Sicherheit zuständig war. Kontrolliert wird das Unternehmen von einem Verwaltungsrat, dem unter anderem TikTok-US-Chef Shou Chew, ein hochrangiger Vertreter von Oracle, sowie Repräsentanten der Investmentfirmen Silver Lake, Susquehanna International Group und des emiratischen Investors MGX angehören.

Trump bedankte sich öffentlich beim chinesischen Präsidenten Xi Jinping für dessen Zustimmung zum Deal. Er erklärte, Xi hätte sich auch anders entscheiden können, habe dies aber nicht getan. Die chinesische Regierung selbst äußerte sich bislang nicht offiziell zur endgültigen Vertragsstruktur.

Trump bezeichnete sich zudem als maßgeblich daran beteiligt, TikTok „gerettet“ zu haben, und lobte seine Regierung für den Abschluss eines aus seiner Sicht erfolgreichen und wichtigen Abkommens.

Der Konflikt um TikTok begann bereits während Trumps erster Amtszeit, als er ein Verbot der App forderte. 2024 verschärfte sich die Situation, als der damalige Präsident Joe Biden ein Gesetz unterzeichnete, das eine Abspaltung der US-Geschäfte von ByteDance oder ein Verbot der App vorsah. Trump setzte die Umsetzung dieses Gesetzes nach seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus mehrfach aus, um Zeit für eine Lösung zu gewinnen.

Für die über 200 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in den USA dürfte der Abschluss des Deals eine Erleichterung sein. Viele verwenden TikTok nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als Nachrichtenquelle oder sogar zur Sicherung ihres Einkommens.

Im Kern sieht die Vereinbarung vor, dass Kontrolle über US-Nutzerdaten und wesentliche US-Geschäftsbereiche auf das neue Gemeinschaftsunternehmen übergeht. Dieses gehört zu 50 Prozent einem Investorenkonsortium rund um Oracle, Silver Lake und MGX. Etwas mehr als 30 Prozent halten verbundene Investoren von ByteDance, während ByteDance selbst knapp 20 Prozent behält.

Geplant ist außerdem, den TikTok-Algorithmus künftig auf Basis von US-Nutzerdaten neu zu trainieren. Die Speicherung dieser Daten wird von Oracle überwacht. Die Verantwortung für die Inhaltsmoderation in den USA liegt ebenfalls beim neuen Unternehmen. Das globale TikTok-Unternehmen unter ByteDance soll jedoch weiterhin E-Commerce, Werbung und Marketing steuern. Für die Nutzer dürfte sich die App daher optisch kaum verändern, auch wenn sich die Funktionsweise des Empfehlungsalgorithmus langfristig verschieben könnte.

Trump hatte den Deal bereits im vergangenen Jahr als sogenannte „qualifizierte Veräußerung“ anerkannt. Dennoch bleiben Zweifel bestehen, ob die Lösung die ursprünglichen Sicherheitsbedenken vollständig ausräumt. US-Gesetzgeber hatten befürchtet, dass ByteDance unter Druck der chinesischen Regierung den Algorithmus zur politischen Einflussnahme nutzen könnte.

Besonders kritisch äußerte sich der demokratische Senator Ed Markey. Er erklärte, der Deal werfe mehr Fragen auf, als er beantworte, und beklagte mangelnde Transparenz seitens des Weißen Hauses. Der Kongress müsse den Vorgang prüfen und sicherstellen, dass die nationale Sicherheit tatsächlich geschützt werde.

Offen bleibt auch, inwieweit der Umstand, dass der Algorithmus zunächst weiter von ByteDance lizenziert wird, den gesetzlichen Anforderungen genügt. Die Vereinbarung sieht vor, dass dieser später überprüft und angepasst wird.

Bis zuletzt war unklar gewesen, ob Peking dem Deal zustimmen würde. TikTok hatte sich in den vergangenen Monaten zu einem politischen Druckmittel im Handelsstreit zwischen den USA und China entwickelt. Ein früherer Anlauf war gescheitert, nachdem Trump neue Zölle angekündigt hatte.

Die chinesische Regierung hatte zuletzt erklärt, man erwarte Lösungen, die mit chinesischem Recht vereinbar seien und ein ausgewogenes Verhältnis der Interessen widerspiegelten. Gleichzeitig forderte Peking von den USA ein faires und diskriminierungsfreies Geschäftsumfeld für chinesische Unternehmen.

Ob der Deal langfristig politische Ruhe bringt oder lediglich eine neue Phase im Machtkampf um Daten, Algorithmen und Einfluss einleitet, bleibt offen.

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