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TikTok Pro: Spenden-Image oder geschickter Marketing-Trick?

antonbe (CC0), Pixabay
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Die Videoplattform TikTok will mit einer neuen App Boden gutmachen – und setzt dabei auf das Spenden-Mäntelchen. Mit „TikTok Pro“, einer eigenen Version der Plattform, sollen Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren nicht nur scrollen und liken, sondern nebenbei auch Gutes tun können. Doch Experten zweifeln, ob der Wohltätigkeitsgedanke wirklich im Vordergrund steht – oder ob es sich am Ende nur um einen cleveren Schachzug handelt, um Marktmacht zu sichern.

Sunshine-Punkte als Anreiz

Herzstück der neuen App sind sogenannte Sunshine-Punkte. Diese können gesammelt werden, wenn man Freunde zu TikTok Pro einlädt oder Videos von Wohltätigkeitsorganisationen liked und teilt. Für zehn Punkte spendet TikTok dann 20 Cent an eine Organisation nach Wahl – darunter bekannte Namen wie Aktion Deutschland Hilft, NABU oder Ärzte ohne Grenzen.
„Durch einfache Aktionen auf der Plattform kann die Community verdienten Sunshine in dringend benötigte Hilfe umwandeln“, lobt Thilo Reichenbach von Aktion Deutschland Hilft.

Spendenidee mit Beigeschmack

So charmant die Idee klingt – Kritiker bleiben skeptisch. Tech-Journalist Hagen Terschüren sieht weniger den guten Zweck, sondern vielmehr eine ausgeklügelte Strategie zur Nutzerbindung. „Man will hier gleich mehrere Dinge erreichen: mehr Mitglieder, längere Nutzungsdauer und ein besseres Image in Europa. Wohltätigkeit ist da eher Nebensache.“

Politischer Druck auf TikTok

Besonders in Europa steht TikTok seit Langem in der Kritik: Die Plattform lenke Kinder und Jugendliche vom Lernen ab, begünstige Suchtverhalten und könne sogar für politische Einflussnahme missbraucht werden. Mit TikTok Pro versucht der Konzern, dem Vorwurf entgegenzutreten, man schade der Gesellschaft – und inszeniert sich stattdessen als Wohltäter.

Déjà-vu: Erinnerungen an TikTok Lite

Das Prinzip ist nicht neu. Bereits mit TikTok Lite verfolgte der Konzern ein ähnliches Modell. Dort konnten Nutzer durch längeres Scrollen Punkte verdienen, die in Geld umgewandelt wurden. Doch die EU-Kommission verbot die App im April 2025 wegen Suchtgefahr für Jugendliche. TikTok zog sie daraufhin aus Europa zurück.
Mit TikTok Pro will man den Fehler offenbar vermeiden: Die App ist von Beginn an nur für Erwachsene ab 18 Jahren freigegeben. Ob das reicht, um die EU zufriedenzustellen, bleibt fraglich.

Zwischen Hilfe und Imagepflege

Unterm Strich wirkt TikTok Pro wie ein Spagat: Einerseits gibt es die reale Chance, durch Likes und Shares Organisationen zu unterstützen. Andererseits stärkt TikTok seine Reichweite und sein Image – genau dort, wo politischer Druck besonders hoch ist. Für Nutzerinnen und Nutzer bleibt damit die Frage: Spende ich wirklich – oder werde ich gerade Teil einer Marketingkampagne?

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