Die Finanzämter in Thüringen haben ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf die Influencer-Szene gerichtet. Aktuell laufen nach Angaben des Thüringer Finanzministeriums 22 Ermittlungsverfahren gegen Content-Creator, die ihre Einkünfte womöglich nicht ordnungsgemäß versteuert haben.
Schwieriges Geschäftsmodell für Steuerbehörden
Das Geschäftsmodell von Influencern unterscheidet sich stark von klassischen Erwerbstätigkeiten und ist für Steuerbehörden oft schwer durchschaubar. Einnahmen entstehen nicht nur über direkte Werbedeals oder Sponsoring, sondern auch über Produktplatzierungen, Affiliate-Links und kostenlose Sachleistungen. Letztere werden häufig von Unternehmen bereitgestellt, damit Influencer sie auf Social Media vorstellen.
Für viele Influencer wirken diese Gratisprodukte wie „Geschenke“. Steuerrechtlich gilt jedoch: Sobald ein Produkt kostenlos überlassen wird und eine Gegenleistung – etwa ein Post, Video oder eine Erwähnung – erfolgt, entsteht ein geldwerter Vorteil, der in der Steuererklärung angegeben werden muss. Ein neues Smartphone, eine Luxusreise oder Designer-Kleidung können also genauso steuerpflichtig sein wie eine klassische Überweisung.
Schulungen für Finanzbeamte
Um den Überblick über diese modernen Geschäftsmodelle zu behalten, werden Finanzbeamte in Thüringen derzeit gezielt geschult. Sie sollen lernen, wie sich Kooperationen, Produkt-Samples und Influencer-Deals steuerlich einordnen lassen.
Auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt reagieren die Behörden auf die zunehmende Zahl an Influencern und prüfen verstärkt Steuererklärungen aus dieser Branche. Konkrete Zahlen zu laufenden Verfahren oder zu geschätzten Steuerrückständen liegen dort allerdings noch nicht vor.
Signal an die Branche
Mit den laufenden Verfahren senden die Finanzämter ein klares Signal: Die wachsende Influencer-Ökonomie ist kein rechtsfreier Raum. Wer mit Social Media Reichweite aufbaut, Kooperationen eingeht und damit seinen Lebensunterhalt verdient, hat dieselben steuerlichen Pflichten wie klassische Unternehmer.
Experten weisen darauf hin, dass Influencer im eigenen Interesse ihre Einnahmen und geldwerten Vorteile sorgfältig dokumentieren sollten. Denn nicht selten summieren sich die Sachleistungen auf erhebliche Werte – und können im Falle einer falschen oder fehlenden Angabe zu Nachzahlungen, Bußgeldern oder sogar Strafverfahren führen.
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