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„The Washington Post“ verzichtet erstmals seit Jahrzehnten auf Wahlempfehlung

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Zum ersten Mal seit den 1980er-Jahren wird die US-amerikanische Zeitung „The Washington Post“ in diesem Jahr keine Wahlempfehlung für einen Präsidentschaftskandidaten abgeben. Der Verzicht auf eine Empfehlung wurde am Freitag von Verleger Will Lewis in einer offiziellen Erklärung bekanntgegeben. „Die Washington Post wird in dieser Wahl und auch in künftigen Präsidentschaftswahlen keine Wahlempfehlung mehr aussprechen“, so Lewis. „Wir kehren damit zu unseren Wurzeln zurück, als die Zeitung keine Präsidentschaftskandidaten unterstützt hat.“

Der Verzicht markiert eine bedeutende Änderung, da die Zeitung in jeder Präsidentschaftswahl seit den 1980er-Jahren eine Wahlempfehlung ausgesprochen hat. Lewis betonte, dass die Entscheidung als Rückbesinnung auf frühere Praktiken des Editorial Boards zu verstehen sei. Er räumte ein, dass dieser Schritt unterschiedlich interpretiert werden könnte – etwa als indirekte Unterstützung eines Kandidaten, als Ablehnung eines anderen oder gar als Rückzug aus der Verantwortung. „Wir sehen das jedoch nicht so“, erklärte Lewis. „Es ist vielmehr ein Ausdruck unserer Werte: Charakter und Mut im Dienste des amerikanischen Ethos, Achtung der Rechtsstaatlichkeit und Respekt für die menschliche Freiheit in all ihren Facetten.“

Die Entscheidung hat bereits für Kontroversen gesorgt. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Marty Baron, äußerte scharfe Kritik. Er bezeichnete den Schritt als „Feigheit, die die Demokratie gefährdet“. Baron, der die Berichterstattung über den Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 leitete, für die die Zeitung einen Pulitzer-Preis erhielt, erklärte, dies sei eine Einladung an Donald Trump, weitere Einschüchterungsversuche gegenüber dem Besitzer Jeff Bezos und anderen zu unternehmen.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der auch andere prominente Zeitungen ihre Haltung zu Wahlempfehlungen überdenken. So sorgte kürzlich der Eigentümer der „Los Angeles Times“, Patrick Soon-Shiong, für Aufsehen, als er eine geplante Unterstützung von Vizepräsidentin Kamala Harris verhinderte, was zu Rücktritten mehrerer Redaktionsmitglieder führte.

Die „Washington Post“ ist im Besitz von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der während der Präsidentschaft von Donald Trump mehrfach in Konflikt mit dem ehemaligen Präsidenten geriet. In dieser Zeit führte die Zeitung das Motto „Democracy Dies in Darkness“ ein, das von Bezos unterstützt wurde.

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