Die TGI AG mit Sitz in Liechtenstein bietet eine Art „Gold mit Turbo“ – und wirbt mit einem weltweit einzigartigen Geschäftsmodell: Wer physisches Feingold erwirbt, erhält monatlich bis zu 4 % Rabatt auf den Kaufpreis – über eine Laufzeit von 36 Monaten. Am Ende gibt es das Gold physisch nach Hause geliefert oder optional zurückverkauft. Klingt verlockend – doch hinter dem glänzenden Versprechen verbergen sich Fragen, die potenzielle Käufer stellen sollten.
Rabatt statt Rendite: Woher kommt der Vorteil?
Zentraler Baustein des Modells ist der sogenannte „Zielkaufvertrag“. Kunden erwerben Gold, das bei Partnern der TGI AG verwahrt wird, und erhalten dafür jeden Monat einen Rabatt gutgeschrieben – bei 4 % monatlich über 36 Monate summiert sich das auf satte 144 %. Der Haken? Der Rabatt ist kein echter Gewinn, sondern ein Nachlass auf den ursprünglichen Kaufpreis, der sich erst nach drei Jahren in Form von physischem Gold manifestiert.
Das Unternehmen versichert, dass die Rabatte durch Partnerschaften, eigene Beteiligungen und eine „eigene Mine“ gedeckt seien – überprüfbare Nachweise hierzu werden allerdings nicht transparent veröffentlicht. Auch das oft erwähnte „Eigentum ab Kauf“ wirkt juristisch schwammig, solange das Gold nicht in Händen der Käufer liegt.
Flexible Modelle – mit Tücken
Neben einem klassischen Sofortkaufmodell gibt es flexible und bindende Varianten. Das flexible 2-%-Modell erlaubt einen Ausstieg jederzeit, wobei lediglich der ursprünglich investierte Betrag (ohne Rabatte) zurückerstattet wird – die bis dahin gutgeschriebenen Rabatte verbleiben beim Kunden. Klingt fair – aber wer kündigt, geht leer aus, was die Goldlieferung betrifft.
Das bindende Modell mit 36 Monaten Laufzeit lockt mit einem „Treuebonus“ von 36 %, lässt jedoch keinen Ausstieg zu. Der Kunde trägt das volle wirtschaftliche Risiko über drei Jahre – ohne zu wissen, wie sich der Goldmarkt oder die Firma entwickeln werden.
Transparenz bleibt auf der Strecke
Zwar verspricht die TGI AG die Lieferung von LBMA-zertifizierten 999er-Goldbarren und zeigt sich beim Rückverkauf flexibel – doch auch hier bleibt vieles vage: Wo genau lagert das Gold? Wer sind die „Partner“? Wie ist die Bewertung der Rückkaufpreise im Vergleich zum freien Markt? Antworten darauf sucht man öffentlich vergeblich.
Fazit: Gold ist sicher – aber das Geschäftsmodell?
Die TGI AG bietet eine kreative, aber komplexe Form des Goldkaufs. Kunden sollten sich bewusst sein, dass sie hier kein klassisches Anlageprodukt erwerben, sondern einen spekulativen Zielkauf mit unklarer Risikostruktur. Der versprochene Rabatt mag auf dem Papier glänzen – ob er am Ende auch in der Realität glänzt, bleibt offen.
Transparenz, nachvollziehbare wirtschaftliche Grundlagen und eine klare rechtliche Einordnung fehlen weitgehend. In einem volatilen Goldmarkt und geopolitisch unsicheren Zeiten ist Skepsis angebracht. Wer physisches Gold will, ist möglicherweise mit einem einfachen, direkten Kauf beim zertifizierten Händler besser beraten – ohne Umwege, ohne Wartezeit, ohne Rabattsystem
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