Zwei schwere Gewalttaten innerhalb weniger Stunden haben in den USA das Sicherheitsgefühl vieler Menschen erschüttert. Die Anschläge ereigneten sich mehr als 1.100 Kilometer voneinander entfernt – an Orten, die eigentlich als sichere Zufluchtsorte gelten: eine Universität in Virginia und eine Synagoge im Bundesstaat Michigan.
Am Donnerstagvormittag kam es zunächst zu einer tödlichen Schießerei an der Old Dominion University in Norfolk, Virginia. Laut FBI wurde der Angriff von einem 36-jährigen Mann verübt, der früher der Nationalgarde angehörte und bereits wegen Unterstützung der Terrororganisation ISIS verurteilt worden war.
Der Täter eröffnete das Feuer in einem Klassenzimmer mit Studenten des militärischen Ausbildungsprogramms ROTC. Ein Mensch wurde getötet, zwei weitere wurden verletzt. Mehrere Studenten überwältigten den Angreifer schließlich und töteten ihn. Das Todesopfer ist Oberstleutnant Brandon Shah, ein ROTC-Ausbilder, der laut Behörden kurz vor seiner Pensionierung stand.
Nur etwa zwei Stunden später ereignete sich ein weiterer schwerer Angriff: Ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug raste in die Temple Israel Synagoge im Ort West Bloomfield im Großraum Detroit und setzte das Gebäude in Brand. Das FBI bezeichnete die Tat als gezielten Angriff gegen die jüdische Gemeinde.
Der mutmaßliche Täter wurde als Ayman Mohamad Ghazali, ein 41-jähriger US-Bürger libanesischer Herkunft, identifiziert. Nach Angaben der Behörden soll er zuvor mehrere Angehörige bei einem israelischen Luftangriff im Libanon verloren haben. Der Angreifer kam bei dem Vorfall ums Leben, die genaue Todesursache wird noch untersucht.
Ein Sicherheitsmitarbeiter der Synagoge wurde von dem Fahrzeug erfasst, überlebte jedoch und soll sich erholen. Mehr als 30 Einsatzkräfte mussten wegen Rauchvergiftungen im Krankenhaus behandelt werden.
Die Synagoge war bereits in den vergangenen Wochen in erhöhter Alarmbereitschaft gewesen. Die örtliche Polizei hatte religiöse Einrichtungen zuvor vor möglichen Gewalttaten gewarnt.
Beide Anschläge stehen möglicherweise im Zusammenhang mit der angespannten internationalen Lage und dem Krieg im Nahen Osten. Sicherheitsexperten sprechen von einer erhöhten Bedrohungslage in den USA.
Tatsächlich ereigneten sich in den vergangenen Wochen mehrere weitere Gewalttaten:
In Austin, Texas, erschoss ein Täter mit einer Jacke mit iranischer Flagge drei Menschen. Kurz darauf warfen zwei Verdächtige improvisierte Sprengsätze bei einer Demonstration vor dem Haus des Bürgermeisters von New York.
Der frühere US-Heimatschutzminister Jeh Johnson warnte deshalb, dass sich das Land derzeit in einem „erhöhten Bedrohungsumfeld“ befinde und rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf.
Unterdessen verstärken Sicherheitsbehörden landesweit den Schutz von Synagogen, Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen.
Für viele Menschen in den betroffenen Gemeinden bleibt vor allem ein Gefühl zurück: Orte, die einst als sichere Rückzugsräume galten, sind plötzlich zu Schauplätzen tödlicher Gewalt geworden.
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