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Tausende demonstrieren in Bangkok: Rücktritt der Premierministerin Paetongtarn Shinawatra gefordert

10776551 (CC0), Pixabay
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In Thailands Hauptstadt Bangkok haben am Samstag Tausende Menschen gegen Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra protestiert und lautstark ihren Rücktritt gefordert. Anlass ist ein kürzlich geleakter Telefonmitschnitt zwischen der Premierministerin und dem früheren kambodschanischen Staatschef Hun Sen – ein Gespräch, das die ohnehin angespannten politischen Verhältnisse weiter erschüttert hat.

In dem Anruf, der offenbar vertraulich geführt wurde, bezeichnete Paetongtarn den kambodschanischen Ex-Premier als „Onkel“ und äußerte abfällig über einen thailändischen Militärkommandeur, dieser habe „nur cool wirken wollen“ und „nichts Nützliches gesagt“. Die Bemerkung sorgte für Empörung, insbesondere da der Vorfall im Zusammenhang mit einem tödlichen Grenzzwischenfall zwischen Thailand und Kambodscha steht.

Obwohl sich Paetongtarn für den Inhalt des Gesprächs entschuldigte und diesen als „Verhandlungstaktik“ verteidigte, kündigte ein wichtiger Koalitionspartner der Regierung die Zusammenarbeit auf – ein deutlicher Schlag für die erst seit zehn Monaten amtierende Regierungschefin.

Die Proteste am Samstag waren die größten seit dem Amtsantritt der Pheu-Thai-Regierung im Jahr 2023. Tausende Menschen trotzten Regen und Straßensperrungen und versammelten sich am Siegesdenkmal in Bangkok. Sie schwenkten Nationalflaggen, hielten Protestschilder hoch – darunter ein prominentes Plakat mit der Aufschrift „PM ist Feind des Staates“ – und forderten das Ende der Shinawatra-Ära.

„Sie muss zurücktreten, denn sie ist das Problem“, sagte Protestführer Parnthep Pourpongpan. Viele Demonstrierende werfen der Premierministerin vor, sich von Hun Sen und dessen politischem Netzwerk manipulieren zu lassen – insbesondere wegen der langjährigen Verbindung zwischen der kambodschanischen und der thailändischen Polit-Dynastie.

Ein pensionierter Demonstrant, Seri Sawangmue (70), reiste eigens mit dem Nachtbus aus dem Norden des Landes an: „Ich bin hier, um Thailands Souveränität zu verteidigen. Diese Regierung hat ihr Mandat verwirkt.“

Am Dienstag entscheidet das thailändische Verfassungsgericht, ob es ein Amtsenthebungsverfahren gegen Paetongtarn einleitet. Der Antrag wurde von mehreren Senatoren eingereicht, die ihr „unprofessionelles Verhalten“ vorwerfen.

Hun Sen, der die gesamte 17-minütige Aufnahme inzwischen selbst auf Facebook veröffentlichte, sagte, er habe das Gespräch mit rund 80 Politikern geteilt – einer davon habe es geleakt. Die Kontroverse fällt in eine Phase verschärfter diplomatischer Spannungen: Seit einem tödlichen Zwischenfall im Mai hat sich der Ton zwischen beiden Ländern deutlich verschärft. Kambodscha hat inzwischen Importe aus Thailand – von Lebensmitteln bis zum Strom – weitgehend gestoppt.

Trotz der politischen Turbulenzen zeigte sich inmitten des Regens auch ein symbolisches Bild: Als die Sonne kurz durch die Wolken brach, spannte sich ein Regenbogen über das Siegesdenkmal – für viele Demonstrierende ein Hoffnungsschimmer in unruhigen Zeiten.

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