Der US-Einzelhandelsriese Target will bis Ende Mai keine Frühstücksflocken mehr verkaufen, die synthetische Farbstoffe enthalten. Damit reagiert das Unternehmen auf die wachsende Kritik an stark verarbeiteten Lebensmitteln und folgt einem Trend, der derzeit große Teile der Lebensmittelbranche erfasst.
Die Ankündigung kommt, nachdem mehrere Lebensmittelhersteller zugesagt haben, künstliche Farbstoffe schrittweise aus ihren Produkten zu entfernen. Der politische Druck ist zuletzt gestiegen – insbesondere durch US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und seine Initiative „Make America Healthy Again“, die sich gegen bestimmte Zusatzstoffe in verarbeiteten Lebensmitteln richtet.
Verbraucher achten stärker auf Zutaten
Neben politischen Initiativen spielen veränderte Konsumgewohnheiten eine entscheidende Rolle. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher prüfen die Zutatenlisten verpackter Produkte genauer und legen Wert auf eine vermeintlich gesündere Ernährung.
„Wir wissen, dass Kundinnen und Kunden zunehmend einen gesünderen Lebensstil priorisieren, und wir entwickeln unser Sortiment zügig weiter, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden“, erklärte Cara Sylvester, Einkaufschefin von Target.
Nach Angaben des Unternehmens entfallen bereits jetzt 85 Prozent der Getreideflocken-Verkäufe auf Produkte ohne synthetische Farbstoffe. Ob Markenhersteller ihre Rezepturen gezielt anpassen werden, um weiterhin bei Target gelistet zu bleiben, ließ der Konzern offen.
Branche unter Zugzwang
Auch andere Handelsketten haben in den vergangenen Monaten Maßnahmen angekündigt. Walmart erklärte bereits im vergangenen Jahr, bis Januar 2027 in seinen Eigenmarken auf synthetische Farbstoffe und zahlreiche weitere Zusatzstoffe verzichten zu wollen.
Parallel dazu überdenken Lebensmittelhersteller ihre Rezepturen. Unternehmen wie General Mills, Kraft Heinz und Conagra Brands haben zugesagt, künstliche Farbstoffe in den kommenden Jahren aus ihren Produkten zu entfernen. General Mills – bekannt für Marken wie Cheerios und Lucky Charms – bekräftigte, bis zum Sommer alle zertifizierten synthetischen Farbstoffe aus seinen US-Frühstücksflocken streichen zu wollen. WK Kellogg, Hersteller von Froot Loops und Rice Krispies, plant nach eigenen Angaben einen Verzicht bis Ende 2027.
Mit seiner vergleichsweise kurzen Frist liegt Target jedoch vor einigen Wettbewerbern und auch vor den Zeitplänen mancher Hersteller.
Politischer und gesellschaftlicher Druck wächst
Bereits im April kündigte Gesundheitsminister Kennedy an, acht häufig verwendete künstliche Lebensmittelfarbstoffe in den USA verbieten zu wollen. Seine Bewegung fordert zudem den Verzicht auf Zutaten wie Maissirup, bestimmte Pflanzenöle und künstliche Zusatzstoffe, die mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht werden.
Auch andere Unternehmen reagieren: Coca-Cola stimmte im vergangenen Sommer zu, in den USA wieder Rohrzucker statt bestimmter Alternativen zu verwenden.
Die Kritik an hochverarbeiteten Lebensmitteln hat sich zu einem seltenen parteiübergreifenden Thema entwickelt. Während es in anderen gesundheitspolitischen Fragen – etwa bei Impfungen – deutliche Differenzen gibt, herrscht bei der Bewertung stark verarbeiteter Produkte teilweise Einigkeit.
Im Dezember reichte die Stadt San Francisco Klage gegen zehn führende Lebensmittelhersteller ein. Ihnen wird vorgeworfen, wissentlich Produkte verkauft zu haben, die mit einem Anstieg schwerer Erkrankungen in Verbindung stehen.
Mit dem Schritt von Target dürfte sich der Druck auf Hersteller weiter erhöhen, ihre Rezepturen schneller zu überarbeiten – und damit ein weiteres Kapitel in der Debatte um gesündere Ernährung im Massenmarkt aufgeschlagen werden.
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