Die radikalislamischen Taliban haben nach übereinstimmenden Berichten das Internet in Afghanistan nahezu vollständig abgeschaltet. Der afghanische Sender Tolonews meldete am Sonntag, dass das Kabelnetz landesweit blockiert worden sei.
Auch internationale Beobachter schlagen Alarm: Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks erklärte, Afghanistan befinde sich „inmitten einer vollständigen Internetsperre“. Demnach sind offenbar nicht nur Kabelanschlüsse, sondern auch andere Internet- und Telekommunikationsverbindungen betroffen.
Zensur im Namen der „Moral“
Bereits in den vergangenen Tagen war es in mehreren nördlichen Provinzen zu massiven Einschränkungen gekommen. Offiziell wurde dies mit einem Befehl des Taliban-Führers Haibatullah Achundsada begründet. Ziel sei es, „Unmoral zu verhindern“. Kritiker sehen darin vor allem den Versuch, Informationen und Kommunikation im Land unter Kontrolle zu bringen.
Folgen für die Bevölkerung
Mit dem Abschalten des Netzes verlieren Millionen Afghaninnen und Afghanen den Zugang zu unabhängigen Informationen, sozialer Kommunikation und internationalen Kontakten. Hilfsorganisationen warnen zudem, dass auch ihre Arbeit massiv erschwert wird, wenn digitale Verbindungen komplett gekappt werden.
Internationale Beobachter sehen den Schritt als weiteren Beleg für die zunehmende Isolation Afghanistans unter der Herrschaft der Taliban.
Kommentar hinterlassen