Schulze erhielt 58 Stimmen,2mehr als die Koalition an Szimmen im Landtag hat. Sachsen-Anhalt hat einen neuen Ministerpräsidenten: Sven Schulze (CDU), bisheriger Wirtschaftsminister, wurde heute vom Landtag zum Nachfolger von Reiner Haseloff gewählt. Der 46-Jährige übernimmt das Amt in einer politisch angespannten Lage – und mit einer Aufgabe, die kaum größer sein könnte.
Die Wahl kommt nicht überraschend, wohl aber ihre Dringlichkeit. Der offizielle Rückzug Haseloffs war seit Längerem angekündigt, doch der eigentliche Treiber hinter dem vorgezogenen Machtwechsel ist ein anderer: die AfD. In aktuellen Umfragen liegt sie in Sachsen-Anhalt bei erschreckenden 40 Prozent – und stellt die demokratischen Parteien vor eine existenzielle Herausforderung. Die CDU reagierte nun mit einem personellen Befreiungsschlag – oder zumindest mit dem Versuch eines solchen.
Sven Schulze, in der Vergangenheit auch als EU-Parlamentarier tätig, galt lange als loyaler Verwalter im Kabinett Haseloff. Als Wirtschaftsminister war sein Wirken solide, aber selten visionär. Weder große industriepolitische Impulse noch ambitionierte Strukturwandelprojekte sind mit seinem Namen verbunden. Seine Zeit als Minister verlief weitgehend ohne größere Kontroversen – aber eben auch ohne nennenswerte Höhepunkte.
Warum also Schulze? Aus Sicht der CDU bietet er zwei entscheidende Vorteile: Er ist unverbraucht im Amt des Ministerpräsidenten – und gleichzeitig eng genug mit der bisherigen Regierungspolitik verknüpft, um Kontinuität zu signalisieren. Vor allem aber soll Schulze als neues Gesicht der Regierung dem wachsenden Einfluss der AfD etwas entgegensetzen. Die Hoffnung: Ein frischer Ministerpräsident könne Wählerinnen und Wähler binden, die sich von der politischen Mitte zunehmend abwenden.
Ob das gelingt, ist offen. Schulze gilt als sachlich, aber wenig charismatisch. In einer Zeit, in der politische Kommunikation immer stärker von Emotionen, Symbolen und klarer Haltung geprägt ist, steht er vor einer echten Bewährungsprobe. Die nächsten Monate werden zeigen, ob er über das nötige Profil verfügt, um inhaltlich und rhetorisch gegen eine erstarkende AfD zu bestehen.
Für Sachsen-Anhalt steht viel auf dem Spiel. Und für Sven Schulze beginnt eine Amtszeit, die nicht nur Regierungsgeschick, sondern vor allem politische Standfestigkeit erfordern wird.
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