Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Hafen- und Logistikkonzerns DP World, Sultan Ahmed bin Sulayem, ist mit sofortiger Wirkung von seinen Ämtern als Chairman und CEO zurückgetreten. Zuvor waren neu veröffentlichte Dokumente bekannt geworden, die auf einen jahrelangen intensiven E-Mail-Kontakt mit dem verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hindeuten.
DP World bestätigte den Rücktritt am Freitag und ernannte Essa Kazim zum neuen Vorsitzenden sowie Yuvraj Narayan zum Chief Executive. Sulayems Foto wurde inzwischen von der Unternehmenswebsite entfernt. Eine direkte Stellungnahme des Managers liegt bislang nicht vor. Allein die Erwähnung in den Dokumenten belegt kein Fehlverhalten.
Hunderte E-Mails über Jahre
Nach Auswertung der Unterlagen soll Sulayem bereits seit 2007 mit Epstein in Kontakt gestanden haben. Die E-Mails deuten auf einen engen Austausch über Geschäftsprojekte, Reisepläne und persönliche Themen hin. Epstein bezeichnete den einflussreichen Unternehmer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten 2013 als einen seiner „vertrauenswürdigsten Freunde“.
Die Korrespondenz umfasst auch problematische Inhalte, darunter abfällige Kommentare über Frauen sowie Hinweise auf persönliche Beziehungen Sulayems. Zudem soll Epstein Kontakte zu internationalen Politik- und Wirtschaftsgrößen vermittelt haben, darunter zu Ehud Barak und Steve Bannon. In einzelnen E-Mails wird auch ein möglicher Bezug zu Elon Musk erwähnt, Details bleiben jedoch unklar.
Politische Kontakte in Großbritannien
Die Dokumente legen ferner nahe, dass Epstein als informeller Vermittler zwischen Sulayem und dem britischen Politiker Peter Mandelson fungierte, als DP World die Genehmigung für das Hafenprojekt London Gateway anstrebte. Hinweise auf ein Fehlverhalten Mandelsons gibt es nicht.
Sulayem selbst hatte 2016 dem britischen Thronfolger, dem heutigen Prince William, das London-Gateway-Terminal gezeigt. Auch hier gibt es keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten.
Druck von Investoren wächst
Der Rücktritt erfolgt unter wachsendem Druck internationaler Partner. So setzten unter anderem die britische Entwicklungsfinanzierungsagentur und der kanadische Pensionsfonds La Caisse neue Investitionen aus. Auch das Umweltprojekt Earthshot Prize geriet wegen früherer Fördermittel von DP World in den Fokus der britischen Aufsichtsbehörden.
DP World betreibt Hafenanlagen auf sechs Kontinenten und ist ein zentraler Akteur im globalen Handel. Die aktuellen Enthüllungen markieren einen schweren Imageschaden für den Konzern – auch wenn bislang keine strafrechtlichen Vorwürfe gegen Sulayem erhoben wurden.
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