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Studie: Social Media kann Lebenszufriedenheit Jugendlicher verringern

Pixelkult (CC0), Pixabay
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Die Lebenszufriedenheit österreichischer Jugendlicher ist laut einer neuen Studie grundsätzlich hoch. Allerdings können soziale Medien einen negativen Einfluss haben, wie die Antworten von rund 14.500 befragten Jugendlichen zeigen.

Tägliche Handynutzung und Auswirkungen auf das Wohlbefinden

Laut Kommunikationswissenschaftler Tobias Dienlin von der Universität Wien verbringen Jugendliche im Durchschnitt vier Stunden täglich am Handy. Während die Nutzung von Messengerdiensten, Online-Spielen und Nachrichtenkonsum keinen signifikanten Einfluss auf die Lebenszufriedenheit hatte, zeigte sich bei Streaming-Diensten und insbesondere Social Media wie Instagram ein negativer Effekt.

„Auf Social Media präsentiert man sich oft von seiner besten Seite“, erklärt Dienlin, einer der Autoren der am Montag in Wien vorgestellten „Mental Health Days“-Studie. Dieses idealisierte Selbstbild werde von Jugendlichen mit ihrem eigenen, realen Leben verglichen, was zu Unzufriedenheit führen könne. Die Effekte seien zwar klein, aber dennoch relevant.

Zunehmende psychische Belastung

Trotz einer generell hohen Lebenszufriedenheit von 73 Prozent unter den Befragten zeigen sich erste Anzeichen eines Rückgangs. Besonders auffällig sind psychische Belastungen:

  • 68 Prozent gaben an, sich in den vergangenen zwei Wochen niedergeschlagen oder hoffnungslos gefühlt zu haben.
  • 28 Prozent hatten Gedanken daran, lieber tot zu sein oder sich selbst zu verletzen.

Diese Zahlen bestätigen einen internationalen Trend: Laut Paul Plener, Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien, belegen auch andere Studien einen Anstieg psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen. Zudem habe die Verschreibung von Psychopharmaka in dieser Altersgruppe deutlich zugenommen.

Als Ursachen nennt Plener vor allem multiplen Krisen wie Krieg, Inflation und Klimawandel. Die Corona-Pandemie spiele mittlerweile keine wesentliche Rolle mehr.

„Mental Health Days“: Prävention im Schulunterricht

Um das Bewusstsein für psychische Gesundheit zu stärken, initiierte der Autor Golli Marboe im Jahr 2023 die „Mental Health Days“ an Schulen. Bereits 130.000 Jugendliche haben an diesen Aktionstagen teilgenommen, bei denen Themen wie Mobbing, Körperbild, Leistungsdruck, Ängste und Suizidalität behandelt werden.

Die Nachfrage sei laut Marboe enorm. Für 2025 sind 500 Einsatztage geplant, jedoch fehlen trotz Förderungen noch Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Forderung nach mehr psychologischer Unterstützung an Schulen

Paul Freysinger von der Bundesjugendvertretung (BJV) betonte die Dringlichkeit zusätzlicher Unterstützungsmaßnahmen. Er fordert:

  • Einen Psychologen bzw. eine Psychologin pro 1.000 Schüler
  • Mehr Schulsozialarbeiter

Andernfalls drohe eine flächendeckende Krise, die nur schwer in den Griff zu bekommen sei.

Hilfe im Krisenfall

Für Jugendliche in psychischen Krisen gibt es in Österreich mehrere Anlaufstellen:

  • Telefonseelsorge: rund um die Uhr unter 142 erreichbar
  • Rat auf Draht: kostenlose Beratung für junge Menschen unter 147

Die Studie zeigt deutlich, dass Social Media nicht per se schädlich ist, jedoch das Vergleichen mit unrealistischen Idealbildern zu einer Belastung werden kann. Die psychische Gesundheit junger Menschen bleibt damit eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre.

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