Die Schlussetappe der Vuelta hätte ein Triumphzug werden sollen. Drei Wochen haben die Fahrer gekämpft, geschwitzt, gestürzt, sich durch Berge und Hitze gequält – nur damit am Ende alles in Tumulten untergeht. Kein Podium, keine Hymnen, keine Ehrenrunde. Stattdessen: Gitter fliegen, Menschen stürmen die Strecke, Polizisten und Fahrer werden attackiert.
Das Ergebnis: Ein improvisiertes Siegerfoto auf einer Kühlbox und ein dänischer Champion, der statt Lorbeerkranz eine Ladung Frust schlucken muss. Wer diese Bilder gesehen hat, weiß: Der Straßenradsport steht an einem Scheideweg.
Protest als Bühne – Radprofis als Zielscheibe
100.000 Demonstranten in Madrid – und mitten hindurch ein Radrennen, das keine Chance hatte, sich zu schützen. Radprofis wurden getreten, bedrängt, gefährdet. Die Organisatoren mussten kapitulieren. Statt Jubel: Chaos. Statt Sport: Schlagzeilen über Gewalt.
Und wofür? Für eine politische Botschaft, die mit dem Sport nichts zu tun hat, aber mit voller Wucht auf dessen Rücken ausgetragen wurde. Das Peloton wurde zur Bühne degradiert, die Fahrer zu Statisten in einem Drama, das nicht ihres ist.
„Unser Stadion sind die Straßen“ – ein fataler Nachteil
Der Charme des Radsports liegt seit jeher in seiner Nähe zu den Fans. Man kann die Athleten anfassen, ihnen ins Gesicht schreien, ihnen anfeuern – oder, wie in Madrid, sie attackieren. Kein Zaun, keine Sicherheitsschleuse, keine Kontrolle. Das macht den Radsport verletzlich wie keine andere Sportart.
Und genau das haben die Aktivisten nun erkannt: Wer maximale Aufmerksamkeit will, stört ein Radrennen. Von jetzt an weiß jeder: Radsport ist die billigste Bühne für Radikale – Eintritt frei.
Ein Sport als Geisel
Dass sich Fahrer nach drei Wochen Schinderei selbst auf einer Kühlbox ehren müssen, ist grotesk. Dass Morddrohungen gegen ganze Teams ausgesprochen werden, ist erschütternd. Dass internationale Rundfahrten so überhaupt nicht mehr planbar sind, ist alarmierend.
Die romantische Vorstellung vom „offenen Sport auf offener Straße“ kippt ins Absurde: Wer garantiert noch, dass die Tour de France 2026 nicht ebenfalls im Chaos endet?
Fazit: Sport darf nicht zur Zielscheibe werden
Protest ist legitim. Gewalt ist es nicht. Wer Profis bei 50 km/h attackiert, nimmt Tote in Kauf. Wer den Sport als Bühne kapert, zerstört ihn. Wenn Radrennen nicht mehr sicher sind, dann wird aus Leidenschaft Lebensgefahr – und der internationale Radsport verliert sein Fundament.
Die Vuelta 2025 war nicht nur ein Rennen, das im Chaos endete. Sie war ein Weckruf: Entweder der Sport schützt sich besser – oder er wird immer wieder gekapert.
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