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Stahl-Tarifrunde hat begonnen

bauportalat (CC0), Pixabay
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Die deutsche Stahlindustrie steht unter erheblichem Druck – von schwacher Konjunktur über hohe Energiekosten bis hin zu zunehmenden Billigimporten aus dem Ausland. In diesem schwierigen Umfeld haben nun die Tarifverhandlungen für die rund 68.000 Beschäftigten in den Tarifgebieten Nordwest und Ost begonnen. Die Auftaktrunde fand am Dienstag in Düsseldorf statt. Bereits am Freitag sollen die Gespräche fortgesetzt werden.

Ein Auftakt ohne konkrete Lohnforderung

Anders als in vielen früheren Tarifrunden ist die IG Metall ohne eine konkrete Lohnforderung in die Gespräche gegangen. Die Gewerkschaft verweist auf die „außerordentlich schwierige Lage“ der Branche: schwache Auftragseingänge, verschärfter internationaler Wettbewerb, hohe Produktionskosten sowie Unsicherheiten bei den anstehenden Investitionen in klimaneutrale Produktionsverfahren.

„Wir wissen, dass die wirtschaftliche Situation für viele Betriebe ernst ist. Gleichzeitig dürfen die Beschäftigten, die unter großem Druck arbeiten und in den vergangenen Jahren erhebliche Belastungen getragen haben, nicht erneut leer ausgehen“, erklärte ein Gewerkschaftsvertreter.

Arbeitgeber warnen vor Überlastung

Auch die Arbeitgeberseite betont die angespannte Lage. Vertreter der Stahlunternehmen machten deutlich, dass hohe Lohnforderungen in der aktuellen Konjunkturschwäche kaum erfüllbar seien. Vor allem die hohen Energiepreise in Deutschland, die weit über dem Niveau vieler internationaler Wettbewerber liegen, setzen die Branche unter Druck. Hinzu kommen Billigimporte, insbesondere aus China, die den Preisdruck auf die europäische Stahlindustrie massiv verstärken.

Die Arbeitgeber fordern deshalb Augenmaß in den Verhandlungen und verweisen darauf, dass nur durch eine Balance zwischen Beschäftigtensicherung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit die Zukunft der Stahlstandorte gesichert werden könne.

Friedenspflicht bis 30. September

Noch bis zum 30. September gilt die tarifvertragliche Friedenspflicht. In dieser Zeit sind Arbeitskampfmaßnahmen ausgeschlossen. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt werden, könnte die IG Metall Warnstreiks ab Anfang Oktober organisieren – ein Szenario, das die Arbeitgeber angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage als zusätzlich belastend ansehen.

Mehr als nur Löhne: Transformation im Fokus

Die Tarifrunde hat jedoch nicht nur eine rein finanzielle Dimension. Im Zentrum steht auch die Frage, wie die Transformation der Stahlindustrie hin zu klimaneutraler Produktion gestaltet werden kann. Der Umbau hin zu „grünem Stahl“, etwa durch den Einsatz von Wasserstoff statt Kohle, erfordert Milliardeninvestitionen. Staatliche Förderprogramme sind zwar angekündigt, doch ihre Umsetzung ist bislang zögerlich.

Für die Gewerkschaft ist klar: Ohne eine Perspektive auf sichere Arbeitsplätze in der Transformation verlieren die Beschäftigten das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit ihrer Branche. Daher fordert die IG Metall neben fairen Entgelten auch verbindliche Zusagen für Investitionen und Standortsicherung.

Politische Dimension

Die Tarifverhandlungen werden auch von der Politik aufmerksam verfolgt. Die Bundesregierung hat die Stahlindustrie mehrfach als Schlüsselbranche für die Energiewende und den Industriestandort Deutschland bezeichnet. Ein Scheitern der Transformation könnte nicht nur tausende Arbeitsplätze gefährden, sondern auch den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft massiv verzögern.

Zugleich stehen die Verhandlungen symbolisch für andere energieintensive Industrien, die mit ähnlichen Problemen kämpfen – etwa Chemie, Glas oder Papier. Entsprechend hoch ist die Signalwirkung der Stahl-Tarifrunde.

Ausblick

Die nächste Verhandlungsrunde am Freitag dürfte erste Hinweise geben, ob beide Seiten aufeinander zugehen. Ein rascher Abschluss gilt jedoch als unwahrscheinlich. Vielmehr wird erwartet, dass die Gespräche in den Oktober hineinreichen – mit der realen Möglichkeit von Warnstreiks.

Für die Beschäftigten geht es um spürbare Entlastungen in Zeiten hoher Inflation. Für die Arbeitgeber steht die Frage im Vordergrund, wie sie die Branche trotz schwacher Märkte und hoher Kosten wettbewerbsfähig halten können. Klar ist: Die Stahl-Tarifrunde 2025/26 wird zu einem Lackmustest für die gesamte deutsche Industrie.

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