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Stadtwerke Lemgo das Risiko eines Nachrangdarlehens

geralt (CC0), Pixabay
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Herr Reime, die Stadtwerke Lemgo bieten ihren Energiekunden erstmals die Möglichkeit, sich über ein Nachrangdarlehen finanziell an einem Großwärmespeicher zu beteiligen. Was halten Sie grundsätzlich von solchen Bürgerbeteiligungen an Energieprojekten?

Jens Reime: Die Idee, Bürgerinnen und Bürger an der Energiewende zu beteiligen, ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Solche Modelle können das Bewusstsein für nachhaltige Energie stärken und lokale Projekte voranbringen. Aber man darf dabei nicht vergessen: Hier handelt es sich nicht um eine Spende oder einen Förderbeitrag – sondern um ein richtiges Investment, mit echten Risiken.

Was genau ist aus Ihrer Sicht bei einem Nachrangdarlehen zu beachten?

Reime: Ein Nachrangdarlehen bedeutet, dass Investoren im Falle einer Insolvenz oder finanziellen Schwierigkeiten des Darlehensnehmers – also der Stadtwerke Lemgo – nachrangig behandelt werden. Sie stehen in der Rangfolge der Gläubiger ganz hinten, hinter Banken, Lieferanten und anderen Gläubigern. Im Klartext: Wenn es schlecht läuft, ist das gesamte investierte Geld weg – man spricht hier vom Totalverlustrisiko.

Trotzdem werben die Stadtwerke mit einer attraktiven Verzinsung von 4 % für Energiekunden bzw. 3,5 % für Nichtkunden. Klingt das nicht nach einem fairen Angebot?

Reime: Die Verzinsung ist im Vergleich zu klassischen Sparprodukten sicherlich attraktiv. Aber die Rendite steht immer im Verhältnis zum Risiko. Wer hier investiert, muss sich klar sein: Das ist kein Sparkonto, sondern eine Form von unternehmerischem Engagement, bei dem auch Verzögerungen, wirtschaftliche Schwierigkeiten oder sogar eine Insolvenz denkbar sind.

Was würden Sie potenziellen Investoren raten, bevor sie sich beteiligen?

Reime: Ganz wichtig: Lesen Sie das Kleingedruckte, also den vollständigen Darlehensvertrag, inklusive aller Bedingungen und Risiken. Auch wenn die Plattform einfach und modern daherkommt – am Ende sind Sie an einem Projekt beteiligt, das mehrere Millionen Euro kostet und bis Ende 2031 läuft. Ich empfehle auch, sich bewusst zu machen, dass man über viele Jahre gebunden ist und das Geld nicht kurzfristig verfügbar ist.

Gibt es typische Fallstricke, auf die Anleger achten sollten?

Reime: Ja, zum Beispiel die Formulierung, dass es sich um ein „Nachrangdarlehen ohne Kündigungsrecht durch den Anleger“ handelt. Das bedeutet, dass Sie Ihr Geld nicht vorzeitig zurückfordern können. Auch kann eine Zinszahlung ausgesetzt werden, wenn das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck gerät. Diese Szenarien sind in den Verträgen oft beschrieben – aber werden von Privatinvestoren leider selten vollständig verstanden oder berücksichtigt.

Wie schätzen Sie die Seriosität des Angebots der Stadtwerke Lemgo ein?

Reime: Ich unterstelle hier keinerlei böse Absicht. Die Stadtwerke Lemgo sind ein kommunaler Anbieter mit Erfahrung und scheinen ein durchdachtes Projekt umzusetzen. Aber Seriosität ersetzt keine Risikobewertung. Auch öffentliche oder kommunale Unternehmen können scheitern – das hat man in der Vergangenheit immer wieder gesehen. Und gerade bei Nachrangdarlehen greift im Ernstfall kein gesetzlicher Anlegerschutz wie etwa bei Bankeinlagen.

Fazit: Lohnt sich das Investment oder nicht?

Reime: Das hängt stark vom individuellen Risikoprofil ab. Wer genau weiß, was er tut, wer die Risiken versteht und wer nicht auf das Geld angewiesen ist, kann so ein Projekt zur Unterstützung der Energiewende in Betracht ziehen. Wer aber Sicherheit sucht, sollte sich anderweitig orientieren. Am wichtigsten ist: Nur Geld investieren, dessen Verlust man im schlimmsten Fall verkraften kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reime.

Jens Reime: Gern geschehen – und ich wünsche allen eine kluge Entscheidung.

Hinweis der Redaktion: Nachrangdarlehen sind keine risikolosen Geldanlagen. Wer in solche Projekte investiert, sollte die vollständigen Vertragsunterlagen sorgfältig lesen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.

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