Die Streamingplattform Spotify will den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Musikproduktion sichtbarer machen und ruft Künstlerinnen, Künstler sowie Musikverlage zu mehr Offenheit auf. Ziel sei es, den Hörerinnen und Hörern, aber auch der gesamten Branche, klare Informationen darüber zu geben, in welchem Umfang KI bei einem Song mitgewirkt hat.
Das Unternehmen verweist auf einen neuen Standard, den der internationale Branchenverband DDEX (Digital Data Exchange) entwickelt hat. Seit Anfang 2025 ermöglicht dieser Standard, in den Metadaten eines Musikstücks zu kennzeichnen, ob es vollständig, teilweise oder gar nicht mithilfe von KI geschaffen wurde. Spotify empfiehlt Musikschaffenden und Labels, diese Möglichkeit freiwillig zu nutzen, um Vertrauen und Transparenz zu stärken.
KI in der Musik: Chancen und Risiken
Die Rolle von KI in der Musikwelt wächst rasant. Bereits heute können KI-Systeme komplette Songs komponieren, Stimmen imitieren oder bestehende Werke im Stil bekannter Künstler neu arrangieren. Das sorgt für Kontroversen:
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Kritiker befürchten, dass KI-generierte Werke die Originalität menschlicher Kreativität verdrängen, Künstlerrechte unterlaufen oder zur massenhaften Produktion seelenloser „Industrie-Musik“ führen könnten.
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Befürworter sehen hingegen neue kreative Möglichkeiten, von Experimenten mit Klangwelten bis hin zu Tools, die Musikerinnen und Musiker bei Komposition, Sounddesign oder Textentwicklung unterstützen.
Juristische und ethische Fragen
Neben den kreativen Aspekten rücken auch rechtliche Fragestellungen in den Vordergrund. Wenn eine KI im Stil eines bekannten Künstlers singt – wem gehören dann die Rechte am Song? Wer erhält Lizenzgebühren, und wie lässt sich der Schutz vor Missbrauch sichern? Einige Juristen fordern bereits eine Anpassung des Urheberrechts, da bestehende Regelungen den Umgang mit KI-Werken nur unzureichend abbilden.
Auch ethische Fragen stehen im Raum: Muss das Publikum immer klar erkennen können, ob ein Song menschlich komponiert oder durch eine Maschine erschaffen wurde? Spotify setzt mit seiner Empfehlung ein Signal, dass die Branche auf Freiwilligkeit und Transparenz setzen sollte, bevor strengere gesetzliche Vorgaben folgen.
Zwischen Innovation und Verantwortung
Spotify selbst hat ein starkes Eigeninteresse daran, das Thema frühzeitig zu strukturieren. Die Plattform ist nicht nur ein zentraler Vertriebskanal, sondern auch ein Ort, an dem sich Debatten über Authentizität, Fairness und Wert von Musik entfalten. Mit dem neuen Transparenz-Standard will das Unternehmen eine Brücke schlagen zwischen technologischem Fortschritt und der Forderung nach fairen Spielregeln.
Ob die freiwillige Kennzeichnung jedoch ausreicht, um das Vertrauen von Künstlerinnen, Künstlern und Publikum dauerhaft zu sichern, bleibt offen. Branchenexperten halten es für möglich, dass in den kommenden Jahren eine verbindliche Kennzeichnungspflicht für KI-Musik eingeführt werden könnte – ähnlich wie bei Lebensmitteln, wo Zutaten klar angegeben werden müssen.
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