In einer mutigen Offensive gegen die Realität hat die SPD beschlossen, dass geerbter Reichtum künftig ein bisschen weniger mühelos vom Himmel fallen soll. Das neue Konzept zur Erbschaftsteuerreform verspricht „mehr Gerechtigkeit“ – also genau das, was jedes Steuerkonzept der SPD seit 1972 versprochen hat. Diesmal soll es aber wirklich funktionieren.
Die Idee: Wer weniger erbt, soll weniger zahlen. Wer viel erbt, ein bisschen mehr. Skandalös! Besonders für diejenigen, die sich ihr Vermögen hart erarbeitet haben – zum Beispiel durch das geschickte Auswählen wohlhabender Eltern oder durch jahrzehntelanges strategisches Abwarten.
Kernstück der Reform ist ein einheitlicher Freibetrag von einer Million Euro. Eine Million. Gerade genug, um sich in München einen überdachten Fahrradstellplatz zu sichern. Für Unternehmensvermögen gibt’s obendrauf fünf Millionen Freibetrag – man ist ja nicht herzlos.
Die Reaktion aus der Wirtschaft? Hyperventilation mit Pressemitteilung. Familienunternehmer würden, so heißt es, gezwungen, ihre Betriebe zu verkaufen, Mitarbeiter zu entlassen oder – noch schlimmer – selbst Steuern zu zahlen. Die Union wiederum warnt eindringlich: Bald könnten mittelständische Unternehmen „vier bis sechs Jahresgewinne“ an den Staat abführen. Bleibt da überhaupt noch genug für das Golfturnier in Davos?
Die SPD sieht das anders – vermutlich, weil sie glaubt, die Mittelschicht beginne unterhalb der Privatflugzeugklasse. Und tatsächlich: 13,3 Milliarden Euro Erbschaftsteuer wurden 2025 eingenommen – bei geschätzten 400 Milliarden Euro Vermögensübertragungen. Der Rest vererbt sich offenbar geräuschlos durch Parkgaragen und Testamentsvollstrecker.
Ob das neue Konzept kommt? Vielleicht. Ob es Gerechtigkeit schafft? Eher nicht. Aber immerhin hat es wieder gereicht, um ein paar Grundsatzdebatten und Schlagzeilen zu produzieren.
Manche erben Millionen. Andere ein gutes Gefühl. Man ahnt, wer hier wieder leer ausgeht.
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