Elf Monate nach der verheerenden Flut in der Region Valencia steht Spanien erneut unter Wasser – zumindest bildlich. Die Wetterbehörde Aemet schlägt Alarm: Höchste Warnstufe Rot für Valencia, Tarragona und Castellón. Die Gefahr? „Außergewöhnlich“, so die offizielle Sprachregelung. Überschwemmungen, reißende Flüsse, überforderte Behörden – alles wie gehabt. Nur dass diesmal niemand mehr wirklich überrascht ist.
Ministerpräsident Pedro Sánchez ruft zur Wachsamkeit auf und gibt Durchhalteparolen aus dem Regierungsbüro heraus. Die Stadtverwaltung von Valencia zieht die Notbremse und schließt am Montag vorsorglich Schulen, Parks, Bibliotheken, Märkte – und sogar Friedhöfe. Offenbar traut man dem Wetter genauso wenig wie der eigenen Krisenvorsorge.
Die kollektive Erinnerung ist noch nass vom Oktober 2024: 236 Tote. Eine Zahl, die wie ein Mahnmal über dem Land schwebt. Es war die schlimmste Flutkatastrophe Spaniens seit Jahrzehnten – und für viele ein Offenbarungseid des Staatsversagens.
Seitdem protestieren die Menschen in Valencia nicht nur gegen Regen, sondern gegen das politische Kleinkrieg-Theater, das sich auf ihren Schultern abspielt. Die linke Zentralregierung zeigt mit dem Finger auf Valencias rechte Regionalregierung – und umgekehrt. Verantwortung? Fehlanzeige. Die Flut mag gekommen sein, aber politische Reue ist bis heute ausgeblieben.
Jetzt soll alles anders werden – sagt man. Doch für viele klingt der Wetteralarm heute nicht wie eine Warnung, sondern wie ein Déjà-vu. Und diesmal ist weniger der Regen das Problem, als das Vertrauen, das längst weggeschwemmt wurde.
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