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So gelang Spanien der Neustart nach dem beispiellosen Stromausfall

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay
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Nach dem schwersten Stromausfall in Spaniens jüngerer Geschichte hat das Land innerhalb von 23 Stunden sein gesamtes Energienetz wiederhergestellt – ein Kraftakt, der international Beachtung findet.

Am Montagmittag um 12:33 Uhr brach das Stromnetz plötzlich zusammen: Etwa 60 % der Stromerzeugung – rund 15 Gigawatt – gingen verloren. Ursache waren laut Netzbetreiber Red Eléctrica zwei kurz aufeinanderfolgende Leitungsunterbrechungen im Südwesten sowie eine zeitweise Trennung vom französischen Netz.

Nur die Kanaren, Balearen sowie Ceuta und Melilla blieben verschont. Während Teile der Politik über eine Überlastung durch Solarstrom und erneuerbare Energien debattieren – zur Zeit des Ausfalls stammten über 60 % des Stroms aus Photovoltaik –, lief im Hintergrund ein hochkomplexer Wiederanlauf an.

Black Start: Schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb

Zunächst wurden Wasserkraftwerke hochgefahren, insbesondere Pumpspeicherkraftwerke, die schnell Strom liefern können. Auch Gaskraftwerke trugen zur Stabilisierung bei. Die Atomkraftwerke Almaraz, Ascó und Vandellós wurden beim Ausfall automatisch abgeschaltet, drei weitere waren ohnehin in Wartung.

Gleichzeitig erhielt Spanien Hilfe von Frankreich und Marokko:

  • Frankreich lieferte über die Leitungen nach Katalonien und ins Baskenland bis zu 2.000 MW Strom.

  • Marokko speiste über Unterseekabel bei Tarifa im Süden bis zu 900 MW ein.

Bis zum Abend waren rund 35 % der Nachfrage gedeckt, um Mitternacht bereits über 60 %, am Dienstagmorgen um 07:00 Uhr über 99 %. Auch Züge und U-Bahnen fuhren wieder größtenteils, obwohl es noch zu Einschränkungen kam.

Hilfe aus der Bevölkerung – und politische Debatten

Während viele Spanier in dunklen Zügen oder mit leerem Handy-Akku ausharren mussten, lief das Notfallsystem erstaunlich gut:

  • Krankenhäuser arbeiteten mit Dieselgeneratoren weiter.

  • 13.000 Bahnreisende wurden von Polizei und Einsatzkräften evakuiert.

  • In Girona wurde ein Kongresszentrum spontan zur Notunterkunft umfunktioniert.

Doch die Diskussionen begannen sofort: Die Wirtschaft rechnet mit Schäden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Konservative Politiker warfen der Regierung unter Premierminister Pedro Sánchez eine zu langsame Reaktion vor. Sánchez versprach Aufklärung und Maßnahmen zur Prävention künftiger Vorfälle.

Doch Experten warnen: Die steigende Abhängigkeit von erneuerbaren Energien bei gleichzeitigem Rückbau der Atomkraft erhöht das Risiko. Der Netzbetreiber hatte bereits Anfang des Jahres auf diese Gefahr hingewiesen.

Ein Video der Red-Eléctrica-Chefin Beatriz Corredor aus dem Jahr 2021, in dem sie Spaniens Stromnetz als „eines der sichersten der Welt“ bezeichnete, kursiert nun erneut im Netz – mit bitterer Ironie.

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