Ein historischer Schritt im streng geführten Stadtstaat Singapur: Zum ersten Mal seit fast 30 Jahren ist ein zum Tode verurteilter Mann begnadigt worden. Präsident Tharman Shanmugaratnam wandelte das Todesurteil gegen den Mann in eine lebenslange Freiheitsstrafe um, wie lokale Medien berichten.
Der Verurteilte war wegen Drogenhandels zum Tode verurteilt worden – ein Delikt, das in Singapur nach wie vor zu den schwersten Straftaten zählt und regelmäßig mit der Todesstrafe geahndet wird. Allerdings war sein Komplize in einem separaten Verfahren lediglich zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Um eine Ungleichbehandlung zu vermeiden, bat die Regierung den Präsidenten um einen Gnadenakt.
Singapur zählt weltweit zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Praxis der Todesstrafe dort seit Jahren scharf. Befürworter hingegen argumentieren, dass die drakonischen Strafen ein wirksames Mittel im Kampf gegen den Drogenhandel seien.
Die Begnadigung gilt als Seltenheit und könnte als Signal verstanden werden, dass die Regierung in Einzelfällen mehr Augenmaß zeigen will. Ob dies jedoch eine langfristige Änderung in der Rechtspraxis bedeutet, bleibt offen. Für den betroffenen Mann aber ist es die Rettung vor dem Strang – und der Beginn einer lebenslangen Haftstrafe.
Kommentar hinterlassen