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Sind Gamer die besseren Drohnenpiloten? US-Armee testet neue Talente im Wettbewerb

alexman89 (CC0), Pixabay
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Mit einem surrenden Geräusch steigen die Drohnen in den grauen Himmel auf. Zuerst startet der „Hunter“, der Ziele aufklären soll. Kurz darauf folgen die „Killer“-Drohnen, die diese Ziele aus bis zu 1.000 Metern Höhe treffen müssen. Die Soldaten kauern unter Bäumen, steuern ihre Geräte mit Controllern, die an Spielkonsolen erinnern. Ihr Auftrag: Fünf hochwertige Ziele in 30 Minuten identifizieren und ausschalten – ein realitätsnahes Gefechtsszenario.

Der Wettbewerb, der Mitte Februar auf dem Drohnentestgelände der University of Alabama stattfand, war der erste seiner Art. Mit der „Best Drone Warfighter Competition“ sucht die US-Armee gezielt nach Talenten für die Kriegsführung der Zukunft – und setzt dabei auffällig oft auf Fähigkeiten, die viele junge Rekruten aus Videospielen mitbringen.

„Es ist nicht so einfach, wie es aussieht“, sagte Staff Sergeant Salilo Fano (31) nach dem Wettbewerb. Beim Training helfe ihm vor allem eines: Videospiele.

Gaming als Rekrutierungsfaktor

Die Armee will Drohnen künftig in allen Teilstreitkräften stärker verankern. Pentagon-Vertreter sprechen von „Drohnen-Dominanz“. Bis 2028 sollen jährlich rund eine Million Drohnen beschafft werden – derzeit liegt die Zahl bei etwa 50.000 pro Jahr.

Oberst Nicholas Ryan, Mitglied eines Pentagon-Teams zur Stärkung der Drohnenfähigkeiten, beschreibt die neue Strategie offen: „Warst du ein guter Gamer? Baust du in deiner Freizeit Drohnen im Keller? Woher kommt deine Leidenschaft?“ Genau solche Fragen stelle man potenziellen Rekruten.

Viele der mehr als 200 Teilnehmer in Huntsville hatten unterschiedliche Vorerfahrungen. Einige steuerten erst seit wenigen Monaten Drohnen, andere bringen jahrelange Praxis mit – sei es als Hobby oder sogar im zivilen Beruf, etwa bei Paketlieferdiensten. Doch ein gemeinsamer Nenner tauchte immer wieder auf: Gamer lernen schneller.

„Wer Videospiele spielt, wird das hier deutlich schneller beherrschen als jemand ohne Gaming-Erfahrung“, sagte Sergeant Cory Koehn von einem neu gegründeten Drohnenteam in Fort Rucker. Nur 20 von mehr als 120 Bewerbern wurden kürzlich für diese Spezialeinheit ausgewählt.

Zwischen Hindernisparcours und Gefechtssimulation

Der Wettbewerb bot unterschiedliche Disziplinen: Drohnen mussten Hindernisparcours mit engen Durchflügen, Rückwärtssaltos über Fahrzeuge und Slalomstrecken meistern. Andere Teams kombinierten körperliche Belastung – etwa Sandbag-Läufe durch schlammiges Gelände – mit anschließender Drohnenmission.

Viele Geräte stürzten spektakulär ab, zerschellten an Wänden oder scheiterten an den ersten Hindernissen. Die Atmosphäre erinnerte teils an ein Sportevent – mit Kommentatoren und jubelndem Publikum.

Drohnenkrieg als „Gamification“?

Der Blick nach Ukraine verstärkt den Handlungsdruck. Dort dominieren sogenannte FPV-Drohnen (First Person View) zunehmend das Schlachtfeld. Die Steuerung ähnelt stark Videospielen – inklusive Videobrille und direkter Zielansprache.

In der Ukraine wurde die Verbindung von Krieg und Spielmechanik besonders deutlich: Ein Punktesystem belohnt Drohnenpiloten für Treffer gegen russische Soldaten, die gegen Ausrüstung eingetauscht werden können.

Auch in den USA ist die Nähe zwischen Militär und Gaming-Industrie seit Jahren eng. Militärische Simulatoren basieren oft auf kommerziellen Spielen, Steuergeräte ähneln Xbox- oder PlayStation-Controllern. Die Armee betreibt eigene E-Sport-Teams und nutzt Streaming-Plattformen zur Nachwuchsgewinnung.

„Das Militär und die Spieleindustrie nutzen sich gegenseitig“, sagt Matthew Thomas Payne von der University of Notre Dame. Für das Militär sei Gaming auch ein Instrument der „Soft Power“, um junge Menschen zu erreichen.

Die psychische Belastung bleibt oft unbeachtet

Doch während Technik und Rekrutierung im Fokus stehen, warnen Experten vor den psychischen Folgen. Tanner Yackley, ehemaliger Drohnenpilot der US-Luftwaffe, berichtet von schweren Belastungen während seiner Einsätze, die er aus sicherer Entfernung – unter anderem von Las Vegas aus – flog.

„Der Job hat mich zermürbt“, sagt er. Schlafmangel, ständiges Wiedersehen blutiger Aufnahmen und die dauerhafte Anspannung hätten Spuren hinterlassen. Studien zeigen, dass auch Drohnencrews unter Depressionen, belastenden Erinnerungen und sogenannter „moral injury“ leiden können.

Yackley kritisiert, dass bei aller Begeisterung für Technik „der Mensch im System“ zu kurz komme. Die Fähigkeiten aus Videospielen mögen hilfreich sein – doch die Realität tödlicher Einsätze sei mit keiner Konsole vergleichbar.

„Was passiert, wenn sie die Brille abnehmen und realisieren: Ich habe gerade einen Menschen getötet?“ fragt er.

Während die US-Armee ihre Drohnenkapazitäten massiv ausbaut, bleibt diese Frage im Hintergrund – zwischen Hightech-Wettbewerb, Gaming-Kultur und den sehr realen Folgen moderner Kriegsführung.

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