Startseite Allgemeines Sie dachte, ICE-Agenten bringen sie zur Schule – die Zehnjährige landete 1.200 Kilometer entfernt in einem Abschiebezentrum
Allgemeines

Sie dachte, ICE-Agenten bringen sie zur Schule – die Zehnjährige landete 1.200 Kilometer entfernt in einem Abschiebezentrum

geralt (CC0), Pixabay
Teilen

Noch lange vor Sonnenaufgang machte sich die zehnjährige Elizabeth Zuna Caisaguano an einem eiskalten Januar­morgen gemeinsam mit ihrer Mutter auf den Weg zur Schulbushaltestelle in einem Vorort von Minneapolis. Wie an jedem Wochentag verließen sie um 6:10 Uhr das Haus.

Plötzlich wurde ihr Auto von mehreren Fahrzeugen mit Bundesbeamten umstellt. Elizabeth glaubte, die Agenten würden sie zur Schule bringen, berichtete ihr Vater später gegenüber CNN.

Stattdessen wurden das Mädchen und ihre Mutter festgenommen und rund 1.200 Kilometer weit in das South Texas Family Residential Center in Dilley, Texas, geflogen – ein Abschiebezentrum. Elizabeths Zukunft war von einem Moment auf den anderen ungewiss.

In den darauffolgenden Wochen wurden mindestens fünf weitere Kinder aus demselben Schulbezirk nach Texas gebracht, darunter auch der fünfjährige Liam Conejo Ramos. Nach Angaben des Schulbezirks gibt es zudem weitere Schüler, zu denen der Kontakt vollständig abgebrochen ist und von denen vermutet wird, dass sie sich ebenfalls in Haft befinden.

Der Fall hat in Minnesota neue Kritik an der Einwanderungspolitik der Trump-Regierung ausgelöst. Die unter dem Namen „Operation Metro Surge“ geführten Maßnahmen haben laut Schulvertretern auch Kinder erfasst und Familien auseinandergerissen.

Das US-Heimatschutzministerium (DHS) wies Vorwürfe entschieden zurück, wonach die Einwanderungsbehörde ICE gezielt Schüler festnehme. „ICE nimmt keine Kinder oder Schulen ins Visier“, erklärte ein Sprecher. „ICE hält Familien zusammen.“

„ICE bringt mich zur Schule“

Am Morgen des 6. Januar wurde die Familie von Beamten angehalten und blockiert. Ein Augenzeuge filmte die Szene, in der mehrere Agenten das Auto umringten. Elizabeth rief ihren Vater auf der Baustelle an und sagte beruhigend: „ICE bringt mich zur Schule.“ Der Vater ging davon aus, dass alles in Ordnung sei.

Doch als er später niemanden mehr erreichte, fuhr er in Panik zur Schule. Dort warteten Lehrer und Mitarbeiter vergeblich darauf, dass Elizabeth gebracht würde. Erst am Nachmittag erfuhren sie, dass Mutter und Tochter bereits nach Texas ausgeflogen worden waren.

„Dieser Morgen verwandelte sich in Stunden voller verzweifelter Telefonate, um ein verschwundenes Kind zu finden“, sagte die Schulsozialarbeiterin Tracy Xiong. Die Verzweiflung des Vaters werde sie nie vergessen.

Das DHS erklärte, Eltern würden gefragt, ob sie gemeinsam mit ihren Kindern abgeschoben werden wollten oder ob eine Vertrauensperson die Kinder übernehmen könne. In diesem Fall sei keine geeignete Betreuungsperson benannt worden.

Weitere Kinder betroffen

In den folgenden Wochen wurden weitere Familien aus dem Schulbezirk nach Dilley gebracht. Zwei Brüder im Grundschulalter wurden aus dem Unterricht geholt, nachdem ihre Mutter bei einem routinemäßigen Termin festgenommen worden war. Während ihrer Haft entdeckten die Jungen in der Kantine des Abschiebezentrums ein weiteres Mädchen aus ihrer Schule, dessen Verschwinden bisher niemand hatte zuordnen können.

Einige Kinder wurden inzwischen freigelassen, andere – darunter eine Fünftklässlerin und ein 17-jähriges Mädchen – befinden sich weiterhin in Haft. Zu Details äußerte sich das DHS nicht.

Flucht aus Ecuador

Elizabeths Familie stammt aus einer armen ländlichen Region Ecuadors. Ihr Vater berichtete von Gewalt, Kriminalität und Diskriminierung indigener Menschen. Nach einem schweren Übergriff entschied sich die Familie 2020 zur Flucht in die USA und stellte einen Asylantrag.

Obwohl alle Anhörungen wahrgenommen wurden, lehnte ein Richter den Antrag im September 2025 ab und ordnete die Abschiebung an. Die Familie legte Berufung ein, über die bislang nicht entschieden ist.

Während des Flugs nach Texas habe Elizabeth große Angst gehabt, nach Ecuador zurückgeschickt zu werden. Später sagte sie ihrem Vater, sie habe geglaubt, ihr Traum, Ärztin zu werden, sei vorbei.

Angst im Schulalltag

Der Schulbezirk Columbia Heights nördlich von Minneapolis ist klein, aber stark von Einwandererfamilien geprägt. Mehr als die Hälfte der Schüler spricht zu Hause Spanisch. Nach Angaben des Bezirks sind ICE-Beamte in den Vierteln allgegenwärtig, verfolgen Schulbusse, fahren auf Schulgelände und halten Jugendliche auf dem Weg zur Schule an.

„Wie sollen Kinder sich auf den Unterricht konzentrieren, wenn sie ständig Angst haben, angehalten zu werden?“, fragte eine Sprecherin des Bezirks.

Rückkehr nach Minnesota – aber keine Entwarnung

Einen Monat nach ihrer Festnahme kehrten Elizabeth und ihre Mutter diese Woche nach Minnesota zurück. Die genauen Gründe für ihre Freilassung sind unklar. Ihr Asylverfahren läuft weiter.

„Kinder gehören in die Schule, nicht in Haft“, sagte Schulsozialarbeiterin Xiong. „Kein Kind sollte auf dem Weg zur Schule einfach verschwinden.“

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

„Das war ich“ – Trump beansprucht Freilassung einer Gefangenen für sich, obwohl sie vor seiner Kandidatur erfolgte

Beim Nationalen Gebetsfrühstück am Donnerstag sprach US-Präsident Donald Trump über die Verfolgung...

Allgemeines

Sein Sohn starb nach der Festnahme seiner Frau durch ICE – warum sich ein vierfache Vater zur freiwilligen Ausreise entschloss

Rigo Mendoza erinnert sich unter Tränen an das letzte Gespräch mit seinem...

Allgemeines

Richter ordnet Freigabe von über 16 Milliarden Dollar für Tunnelprojekt in New York an

Ein Bundesrichter in New York hat am Freitag entschieden, dass die Trump-Regierung...

Allgemeines

Nvidia

Der Tech-Gigant Nvidia hat im Oktober als erstes Unternehmen in der Geschichte...