Startseite Allgemeines Sein Sohn starb nach der Festnahme seiner Frau durch ICE – warum sich ein vierfache Vater zur freiwilligen Ausreise entschloss
Allgemeines

Sein Sohn starb nach der Festnahme seiner Frau durch ICE – warum sich ein vierfache Vater zur freiwilligen Ausreise entschloss

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
Teilen

Rigo Mendoza erinnert sich unter Tränen an das letzte Gespräch mit seinem Sohn Kevin. Kurz vor seinem Tod Anfang Januar sorgte sich der 15‑Jährige weniger um sich selbst als um die Sicherheit seines Vaters.

Kevin war im November an Krebs erkrankt. Immer wieder habe er gesagt: „Ich will nicht, dass dir etwas passiert“, erzählt Mendoza. Einen Tag zuvor war Kevins Mutter, Arlith Martínez, von Beamten der US‑Einwanderungsbehörde ICE festgenommen worden. Einer der behandelnden Ärzte habe angedeutet, dass diese Nachricht den Gesundheitszustand des Jungen negativ beeinflusst haben könnte.

„Ich habe ihm gesagt, er solle sich nicht aufregen. Wenn es dir gut geht, wird es deiner Mutter auch gut gehen. Wir kämpfen darum, dass sie nach Hause kommt“, sagt Mendoza. Doch offenbar habe Kevin Angst gehabt, dass seine Mutter nicht zurückkehren würde.

Martínez, wie ihr Mann eine undokumentierte Einwanderin aus Mexiko, war am 3. Januar auf dem Weg zur Arbeit in Maryland festgenommen worden. Zunächst wurde sie in einer provisorischen Einrichtung festgehalten, später in ein Abschiebezentrum in New Jersey verlegt. Stunden später konnte sie ihren Mann kontaktieren. Sie habe ihm gesagt, er solle sich keine Sorgen machen, da sie keine Vorstrafen habe und bald freikommen würde. Nach Angaben von CNN liegt gegen sie lediglich ein Verkehrsverstoß vor.

Mendoza und Martínez leben seit über 20 Jahren in den USA. Ihre vier Kinder sind US‑Staatsbürger.

Zwei Tage nach der Festnahme seiner Mutter starb Kevin.

Heute sagt Mendoza, dass die Familie nicht mehr darum kämpft, in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Stattdessen wollen die Eltern mit ihren drei verbleibenden Kindern nach Mexiko zurückkehren – und Kevins sterbliche Überreste mitnehmen.

Eine Diagnose voller Ungewissheit

Im November klagte Kevin über Knieschmerzen. Zunächst rieten Ärzte zu Schonung, doch sein Vater bestand auf weiteren Untersuchungen. In einem Krankenhaus in Baltimore erhielt der Junge schließlich die Krebsdiagnose.

Mendoza kündigte daraufhin seinen Job in einem Fast‑Food‑Restaurant, um sich vollständig um seinen Sohn zu kümmern, während seine Frau weiter arbeitete. Die Ärzte hätten ihnen bestätigt, dass sie alles richtig machten, sagt er. Welche Art von Krebs Kevin hatte, erfuhr die Familie nie – nur, dass es ein Kampf sei, den Kevin gewinnen könne.

Nach der Festnahme von Martínez wollte Mendoza seinem Sohn zunächst nichts davon erzählen. Doch Kevin erfuhr es über soziale Medien. In derselben Nacht verschlechterte sich sein Zustand dramatisch.

Am 4. Januar brachte Mendoza seinen Sohn ins Krankenhaus. Wegen seines kritischen Zustands sollte Kevin per Hubschrauber in eine andere Klinik verlegt werden, doch der Transport war nicht mehr möglich. Kurz zuvor fragte Kevin seinen Vater noch, ob er ihn begleiten werde – aus Angst, Mendoza könne auf dem Weg etwas zustoßen.

„‚Draußen ist es sehr gefährlich, und ich will nicht, dass dir etwas passiert‘ – das waren seine letzten Worte“, sagt Mendoza.

Am 5. Januar starb Kevin.

Beerdigung unter Auflagen

Mendoza informierte seine Anwälte noch am Tag des Todes. Sie beantragten bei den Behörden, dass Martínez zur Beerdigung ihres Sohnes freigelassen wird. Angeboten worden sei lediglich eine zweistündige Teilnahme unter Bewachung, anschließend die Rückkehr in die Haft.

„Das war weder ihr noch meinen Töchtern zuzumuten“, sagt Mendoza. Die Beerdigung wurde verschoben.

ICE erklärte gegenüber CNN, Martínez sei bereits dreimal aus den USA abgeschoben worden und befinde sich erneut in einem laufenden Abschiebeverfahren. Am 29. Januar kam sie gegen eine Kaution von 12.000 Dollar frei und wurde mit einer elektronischen Fußfessel versehen. Sie konnte später im privaten Rahmen an Kevins Beisetzung teilnehmen.

Ihre Anwälte erklärten, sie hätten gegen die Haft eine Klage eingereicht. Als nächster Schritt stehe eine Anhörung im Abschiebeverfahren an.

Rückkehr nach Mexiko

Nach dem Tod ihres Sohnes und der Festnahme seiner Frau habe die Familie eine schwere Entscheidung getroffen, sagt Mendoza: Sie wollen freiwillig nach Mexiko zurückkehren.

„Ich lasse meinen Sohn nicht hier. Ich bin nicht von hier“, sagt er. „So kann ich eines Tages Blumen an sein Grab bringen.“

Die mexikanische Botschaft in Washington unterstützt die Familie rechtlich und finanziell bei der Rückkehr und der Überführung von Kevins Leichnam. Auch der Schulbezirk sowie Freunde und Bekannte hätten geholfen.

„Ich habe davon geträumt, eines Tages in mein Land zurückzukehren – aber nicht auf diese Weise“, sagt Mendoza.

Angesichts der verschärften Einwanderungspolitik der Trump‑Regierung leide täglich mindestens eine Familie, sagt er. Seine ganze Kraft gelte nun seinen drei Kindern.

„Ich versuche stark zu sein, damit sie nicht den Mut verlieren“, sagt Mendoza. „Sie haben ihren kleinen Bruder sehr geliebt.“

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

„Das war ich“ – Trump beansprucht Freilassung einer Gefangenen für sich, obwohl sie vor seiner Kandidatur erfolgte

Beim Nationalen Gebetsfrühstück am Donnerstag sprach US-Präsident Donald Trump über die Verfolgung...

Allgemeines

Sie dachte, ICE-Agenten bringen sie zur Schule – die Zehnjährige landete 1.200 Kilometer entfernt in einem Abschiebezentrum

Noch lange vor Sonnenaufgang machte sich die zehnjährige Elizabeth Zuna Caisaguano an...

Allgemeines

Richter ordnet Freigabe von über 16 Milliarden Dollar für Tunnelprojekt in New York an

Ein Bundesrichter in New York hat am Freitag entschieden, dass die Trump-Regierung...

Allgemeines

Nvidia

Der Tech-Gigant Nvidia hat im Oktober als erstes Unternehmen in der Geschichte...