Die US-Börsenaufsicht SEC hat den Geschäftsmann Anthem Hayek Blanchard wegen Betrugs verklagt. Laut der Anklageschrift habe Blanchard systematisch Regierungsaufträge erfunden, Umsätze künstlich aufgebläht und unrealistische Wachstumszahlen präsentiert, um Investoren um mehr als 5 Millionen Dollar zu täuschen.
Blanchard, CEO von Anthem Holdings, habe Anlegern versichert, dass sein Softwareunternehmen Hera Software Development kurz davor stehe, mehrere Millionen-Dollar-Verträge mit US-Regierungsbehörden abzuschließen. Doch laut SEC gab es nie Verhandlungen mit diesen Behörden – die Verträge existierten schlicht nicht.
Von 400 Millionen Dollar Umsatz geträumt – ohne echte Kunden
Die SEC-Klage, die vor einem Bundesgericht in Kansas eingereicht wurde, wirft Blanchard vor, überzogene Wachstumsprognosen gemacht zu haben:
- Er behauptete, Hera Software Development würde bis 2024 einen Jahresumsatz von über 400 Millionen Dollar erwirtschaften.
- Tatsächlich hatte das Unternehmen nur einen einzigen Vertrag über 250.000 Dollar mit einer nicht näher benannten Firma in den Niederlanden.
- Blanchard prognostizierte ein Wachstum von 1.500 % und stellte in Aussicht, dass sein Unternehmen in wenigen Jahren über 300 Mitarbeiter beschäftigen würde – ein reines Fantasieprodukt, so die SEC.
Manipulierte Zahlen und fiktive Investitionen
Die SEC wirft Blanchard außerdem vor, finanzielle Kennzahlen bewusst falsch berechnet zu haben, um die Unternehmensentwicklung erfolgreicher darzustellen als sie war. Laut Anklageschrift habe er Einnahmen aus unterschiedlichen Quartalen willkürlich kombiniert und geplante Gewinne in falsche Jahre verschoben, um Investoren zu täuschen.
Ein besonders dreister Vorfall: Blanchard soll sogar eine fiktive 1-Million-Dollar-Investition erfunden haben, um das Vertrauen von Anlegern zu stärken.
„Blanchard hatte keinerlei Grundlage, um zu glauben, dass Anthem Holdings diese Verträge bekommen würde – und er wusste das auch“, heißt es in der SEC-Klage.
Unternehmen insolvent, Immobilienbesitz der Ehefrau verpfändet
Blanchards Firma war laut Gerichtsdokumenten bereits vor der SEC-Klage zahlungsunfähig. Investoren versuchten, ihre Verluste zu minimieren, indem sie sich Anteile an Copper Tree Inc., einem Unternehmen von Blanchards Frau Cynthia Blanchard, sicherten. Copper Tree kontrollierte das historische Price Tower in Oklahoma, geriet aber kurz darauf selbst in Insolvenz.
SEC fordert Millionenstrafe und Berufsverbot
Die SEC verlangt:
- Ein lebenslanges Verbot für Blanchard, in öffentlichen Unternehmen eine Führungsrolle einzunehmen.
- Eine Geldstrafe von 250.000 Dollar.
- Ein Verbot für Blanchard und seine Unternehmen, Wertpapiergeschäfte abzuwickeln.
Bislang hat Blanchard keine formale Verteidigung gegen die Vorwürfe eingereicht. Sein Anwalt beantragte eine Fristverlängerung, um eine kostenlose Rechtsvertretung zu sichern – doch nach Ablauf der Frist im Januar 2025 gab es keine weiteren Einreichungen.
Blanchards skurrile Verteidigung: Ein „Mini-Trump-Fall“
In einem libertären Blog verglich sich Blanchard mit Donald Trump und behauptete, das Verfahren gegen ihn sei eine politische Hetzjagd:
„Das ist eine Mini-, Mini-, Mini-Version von dem, was Trump passiert ist – eine Waffe namens ‚Lawfare‘ wird gegen mich eingesetzt.“
Er behauptet, das Verfahren sei das Ergebnis von Falschbeschuldigungen eines ehemaligen Mitarbeiters, der eine persönliche Fehde gegen ihn habe. Ein Gericht sprach diesen früheren Angestellten jedoch 2023 von allen Vorwürfen frei.
Fazit: Millionenverluste für Investoren – SEC setzt auf harte Strafen
Die Klage der SEC könnte für Blanchard massive rechtliche und finanzielle Konsequenzen haben. Während er sich als Opfer einer „Hexenjagd“ darstellt, spricht die Anklageschrift von einem gezielten Täuschungsmanöver, das rund 200 Investoren um ihr Geld brachte. Ob sich Blanchard aus dieser Lage noch retten kann, bleibt fraglich.
Kommentar hinterlassen