Als Jenelle Peterson erfuhr, dass der Oberste Gerichtshof der USA Präsident Donald Trump die Befugnis zu weitreichenden globalen Zöllen entzogen hatte, begann sie sofort zu rechnen.
Vielleicht könne sie nun wieder mehr Spielwaren in die USA importieren. Vielleicht sogar neue Produkte entwickeln – Pläne, die sie auf Eis gelegt hatte, nachdem Trumps China-Zölle im vergangenen Jahr 25 % ihrer Gewinne aufgezehrt hatten. Petersons kanadisches Unternehmen Wild Life Outdoor Adventures produziert seine Waren in China.
Doch trotz der Erleichterung bleibt Unsicherheit.
„Ich halte mich mit zu viel Feiern zurück“, sagt sie. „Aber für uns zählt jedes einzelne Prozent.“
Erleichterung – aber viele offene Fragen
Viele Unternehmer reagierten mit vorsichtigem Optimismus auf das Urteil. Gedämpft wurde die Freude durch die unklare Frage, wie bereits gezahlte Zölle zurückerstattet werden sollen – und ob die Regierung andere gesetzliche Grundlagen nutzen wird, um neue Zölle zu verhängen.
Der Supreme Court hatte nur jene Abgaben aufgehoben, die auf Grundlage des Notstandsgesetzes von 1977 (International Emergency Economic Powers Act, IEEPA) erlassen worden waren.
Trump kündigte jedoch umgehend an, eine neue Anordnung zu unterzeichnen, die einen globalen Zollsatz von 10 % vorsieht – diesmal gestützt auf ein anderes Handelsgesetz, das Zölle von bis zu 15 % für 150 Tage erlaubt.
„Wir haben andere Wege – zahlreiche andere Wege“, sagte Trump im Weißen Haus.
„Eine große Victory“ – mit Vorbehalt
Das Familienunternehmen Learning Resources, ein Hersteller von Lernspielzeug, hatte selbst gegen Trumps Zollpolitik geklagt – und bekam nun Recht.
Firmenchef Rick Woldenberg sprach von einem „großen Sieg“. Zugleich zeigte er sich skeptisch gegenüber den angekündigten Alternativen der Regierung:
„Wenn die Regierung unbedingt entschlossen ist, uns mit übermäßigen Steuern zu schaden, wird sie schon einen Weg finden“, sagte er.
Trotz des Urteils liegt der durchschnittliche effektive Zollsatz laut Berechnungen des Budget Lab der Yale University weiterhin bei 9,1 % – der höchste Stand seit 1946 (mit Ausnahme von 2025). Das bedeutet: Die Belastung bleibt.
Kleine Betriebe besonders betroffen
Wirtschaftsverbände betonen, dass die Schäden bereits angerichtet sind.
„Auch wenn das Ende der meisten Zölle der Main Street helfen wird, haben sie vielen kleinen Unternehmen bereits erheblichen und irreparablen Schaden zugefügt“, erklärte John Arensmeyer von der Interessenvertretung Small Business Majority.
Peterson berichtet, sie habe ihre Preise sechs Monate lang stabil gehalten. Doch irgendwann ging es nicht mehr. Ein Knotenspiel, das früher 14,99 Dollar kostete, liegt nun bei 19,99 Dollar.
„Es ist schwer, das Licht anzulassen“, sagt sie.
Sollten sich die Zollraten stabilisieren, hoffe sie, die Preise wieder senken zu können.
Märkte bleiben ruhig – vorerst
An den Börsen fiel die Reaktion verhalten positiv aus. Der S&P 500 legte um 0,7 % zu, der Nasdaq um 0,9 %.
Marktstrategin Lauren Goodwin von New York Life Investments erwartet keine nachhaltige Marktbewegung allein aufgrund des Urteils. Entscheidend sei, wie mögliche Rückerstattungen abgewickelt werden und welche neuen Zölle folgen.
Michael Pearce von Oxford Economics warnt, dass alternative Zollinstrumente neue Unsicherheit schaffen könnten: Je nach Branche und Herkunftsland könnten sich die Auswirkungen stark unterscheiden – mit Folgen für Unternehmen, Investoren und Verbraucher.
Signal für Stabilität?
Für Peterson ist das Urteil vor allem ein Signal.
„Es sendet eine sehr wichtige Botschaft: Wir können nicht ständig diese verrückten Schwankungen bei Zöllen und Wirtschaftspolitik haben“, sagt sie. „Das ist extrem schädlich für kleine Unternehmen.“
Die Hoffnung ist da – aber sie bleibt vorsichtig.
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