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„Schockierend“ oder regelkonform? Warum ein ukrainischer Skeletonfahrer bei Olympia ausgeschlossen wurde

MasterTux (CC0), Pixabay
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Bei den Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina ist es zu einer der bislang größten Kontroversen gekommen: Der ukrainische Skeletonpilot Vladyslav Heraskevych wurde am Donnerstag vom Wettkampf ausgeschlossen.

Heraskevych, Fahnenträger seines Landes bei der Eröffnungsfeier, wollte im Wettbewerb mit einem speziell gestalteten Helm antreten. Dieser zeigte Motive zur Erinnerung an ukrainische Sportlerinnen und Sportler, die im Zuge des russischen Angriffskriegs ums Leben gekommen sind. Während aller Trainingsläufe trug er den Helm, ebenso bei Medienauftritten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) untersagte jedoch die Nutzung des Helms im offiziellen Wettkampf. Zur Begründung verwies es auf Regel 40.2 der Olympischen Charta sowie auf die seit 2023 geltenden Leitlinien zur Meinungsäußerung von Athletinnen und Athleten. Demnach müsse der Fokus bei Wettkämpfen und offiziellen Zeremonien auf der sportlichen Leistung liegen; politische, religiöse oder andere Formen der Einflussnahme seien auf dem „Field of Play“ unzulässig.

Zwar dürfen Sportlerinnen und Sportler ihre Ansichten gegenüber Medien, in sozialen Netzwerken oder zu bestimmten Zeitpunkten vor dem Wettkampf äußern. Während des Wettbewerbs selbst, bei Siegerehrungen sowie im Olympischen Dorf sind entsprechende Botschaften jedoch untersagt. Verstöße können disziplinarische Konsequenzen nach sich ziehen.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry suchte am Morgen des Wettkampftages noch persönlich das Gespräch mit Heraskevych und dessen Vater. Sie betonte später, niemand stelle die Botschaft des Helms infrage – es handle sich um ein starkes Zeichen des Gedenkens. Man habe vorgeschlagen, die Botschaft vor oder nach dem Rennen sichtbar zu machen. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Coventry erklärte, sie hätte Heraskevych gerne starten sehen.

IOC-Sprecher Mark Adams verteidigte die Entscheidung. Würde man Gedenk- oder Solidaritätsbotschaften zu aktuellen Konflikten zulassen, bestehe die Gefahr, dass die Spiele politisch instrumentalisiert würden. Angesichts zahlreicher weltweiter Konflikte könne das Wettkampffeld sonst zur Bühne politischer Auseinandersetzungen werden. Eine Einflussnahme durch russische Stellen wies das IOC ausdrücklich zurück.

Heraskevych legte umgehend Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ein. Das Gericht kann während der Spiele kurzfristig entscheiden, ein Zeitpunkt für ein Urteil stand zunächst jedoch nicht fest.

Nach zweitägigen Gesprächen, in denen der Athlet nicht von seiner Haltung abrückte, wurde sein Ausschluss am Donnerstagmorgen offiziell bestätigt. Seine Akkreditierung für die Spiele behält er dennoch und darf sich weiterhin im Olympischen Dorf aufhalten.

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