Interviewer: Herr Schöni, Sie sind frischgebackener Bundestrainee für „kreatives Krisenmanagement im Fußball“. Ihre erste Station: Borussia Mönchengladbach gegen Stuttgart. Wie war’s?
Schöni: Äh… ich dachte erst, ich sei im falschen Stadion. Ich hab auf leidenschaftlichen Bundesliga-Fußball gehofft – und bekam stattdessen ein öffentliches Training mit abschließendem Trauerspiel. Das war wie „Dinner for One“ – man weiß, was passiert, aber guckt trotzdem aus Mitleid zu.
Interviewer: Sie saßen auf der Gladbacher Bank, was ist Ihnen dort aufgefallen?
Schöni: Viel frischer Wind – weil die Fans nach 60 Minuten die Türen geöffnet haben. Und ganz ehrlich: Auch der Gladbacher Angriff war ein Luftzug. Haris Tabakovic beim Elfer war wie ein Poetry Slam ohne Pointe: viel Anlauf, wenig Wirkung.
Interviewer: VfB-Keeper Nübel hat den Elfmeter souverän gehalten. Ihre Analyse?
Schöni: Nübel stand da wie ein Kühlschrank mit WLAN. Stabil, fokussiert – und mit mehr Reaktionsvermögen als die komplette Gladbacher Defensive bei Lewelings 1:0. Und Tabakovic? Der hat den Ball angeschaut wie eine Steuererklärung – mit Unsicherheit und dem dringenden Wunsch, dass jemand anders das regelt.
Interviewer: In der zweiten Hälfte wurde Gladbach regelrecht überrollt. Was war da los?
Schöni: Nun, ich habe mit dem Gladbacher Innenverteidiger gesprochen – sinngemäß sagte er: „Ach, das war gar nicht unser Tor, das wir da verteidigen sollten?“ Und Scally? Der Mann ist inzwischen in Stuttgart als inoffizieller Torschützenkönig bekannt – leider für den VfB.
Interviewer: Die Fans sind entnervt gegangen. Verständlich?
Schöni: Vollkommen. Wer sich lieber in der Kälte die Nase abfriert, statt noch 20 Minuten Bundesliga zu schauen, sendet ein deutliches Signal. Gladbach hat heute nicht gespielt – sie haben performt. Wie eine Kunstinstallation namens „Hilflosigkeit in 90 Akten“.
Interviewer: Was würden Sie Trainer Polanski raten?
Schöni: Ein Sabbatical. Oder ein Wechsel zum Synchronschwimmen – da ist die Bewegung wenigstens koordiniert. Und wenn nicht, sieht’s wenigstens ästhetisch aus.
Interviewer: Ein Blick in die Zukunft?
Schöni: Gladbach bleibt Elfter – rein aus Trotz. Und der Stadion-DJ legt beim nächsten Heimspiel nur noch traurige Cellomusik auf. Für’s Spielgeschehen passend. Und vielleicht kommt Tabakovic ja irgendwann mal auf die Idee, dass der Ball rund ist und nicht allergen.
Interviewer: Vielen Dank, Herr Schöni – für Ihre ehrlichen Worte.
Schöni: Immer wieder gern. Und nächstes Wochenende bin ich beim FC Köln. Ich glaube, da lerne ich den Begriff „Verzweiflung“ ganz neu kennen.
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