Startseite Allgemeines „Sächsische Separatisten“ vor Gericht – oder: Acht Männer, ein Plan, 67 Verhandlungstage
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„Sächsische Separatisten“ vor Gericht – oder: Acht Männer, ein Plan, 67 Verhandlungstage

geralt (CC0), Pixabay
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Am Freitag begann vor dem Oberlandesgericht Dresden ein Prozess, der beweist: Manche Menschen haben zu viel Fantasie, zu wenig Realitätssinn – und leider Zugang zu Waffen.

Acht Männer müssen sich nun verantworten, weil sie angeblich dachten, Sachsen könne demnächst vom restlichen Deutschland abgekoppelt und in ein neonazistisches Fantasy-Reservat verwandelt werden. Die Anklage lautet unter anderem auf terroristische Vereinigung, Vorbereitung des Hochverrats und diverse weitere Delikte für ambitionierte Staatsgründer im Kleinstformat.

67 Verhandlungstage sind angesetzt – also genug Zeit, um aus „Tag X“ wenigstens einen Tag Y bis ZZZ zu machen.

Sicherheitsvorkehrungen wie bei einem Gipfeltreffen

Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsmaßnahmen statt. Die Angeklagten wurden in Handschellen vorgeführt, begleitet von 19 Verteidigern – offenbar galt das Motto: Je absurder der Vorwurf, desto größer das Anwaltsteam.

Ein Beschuldigter vertraut sogar gleich fünf Juristen – vermutlich, um alle Eventualitäten abzudecken:
vom Freispruch bis zur alternativen Realität.

Noch bevor die Anklage vorgelesen wurde, beantragte ein Verteidiger den Ausschluss der Öffentlichkeit. Offenbar wollte man das geplante „Großsachsen“ erstmal nicht live streamen.

„Diese Organisation hat es nie gegeben“ – sagt der Mann mit der Langwaffe

Ein Anwalt ließ via Pressemitteilung wissen:
Die Vorwürfe seien „vollumfassend zurückzuweisen“.
Eine Gruppe namens „Sächsische Separatisten“ habe es nie gegeben.
Und überhaupt könne man seinem Mandanten keinen Tötungsvorsatz unterstellen – auch wenn dieser bei der Festnahme eine Langwaffe in der Hand hielt.

Man kennt das: Man hält ja auch manchmal ein Sturmgewehr, ohne irgendetwas damit vorzuhaben. Reiner Dekozweck.


Der große Traum: Sachsen erobern, Deutschland kollabiert, Apokalypse inklusive

Laut Anklage glaubten die Angeklagten an einen mystischen „Tag X“, an dem Deutschland zusammenbricht – vermutlich nach einem besonders schweren Behördenschreiben oder einer Verkehrswende-Pressekonferenz.

In diesem Moment wollten sie weite Teile Sachsens einnehmen und dort ein System errichten, das sich stark am Nationalsozialismus orientiert.
Kurz gesagt: 1933 rebooted – nur mit weniger Bevölkerung, aber viel Selbstüberschätzung.

Wehrsport, Nachtmärsche und Häuserkampf – Call of Duty, aber offline

Zur Vorbereitung sollen regelmäßig paramilitärische Trainings stattgefunden haben:
Häuserkampf, Waffentraining, Gewaltmärsche, Patrouillen – alles dabei, nur leider ohne Anschluss an die Realität.

Die Angeklagten beschafften zudem militärische Ausrüstung.
Was man eben so macht, wenn man glaubt, demnächst einen Staat gründen zu müssen – aber keinen Businessplan hat.

Internationale Vernetzung: FBI findet Sachsen im Chat

Aufgeflogen ist das Ganze nicht durch einen Geheimdienst-Thriller, sondern durch Onlinechats, die dem FBI auffielen.
Im November 2024 folgten dann Razzien in Sachsen und Polen.

Unter den mutmaßlichen Mitgliedern: drei damalige AfD-Mitglieder.
Der Landesverband distanzierte sich umgehend – schneller als man „Einzelfall“ sagen kann.

Die Schimanek-Familie: Neonazi-Tradition seit Generationen

Als mutmaßlicher Rädelsführer gilt Jörg Schimanek, gemeinsam mit seinem Bruder angeklagt.
Der Vater?
Ein alter Bekannter der Szene, früher Funktionär einer rechtsextremen Gruppierung in Niederösterreich, Organisator von rund 100 „Wehrsportübungen“ – also Frühförderung für den Extremismus-Nachwuchs.

Nach einer Haftstrafe zog er später nach Sachsen.
Man könnte sagen: Familientradition trifft Standortvorteil.

Österreich-Bonus: Munition, Devotionalien und ein Forsthaus

Bei einer Hausdurchsuchung in Niederösterreich wurden im Forsthaus eines Onkels große Mengen Munition und NS-Devotionalien entdeckt. Das Gebäude soll als Rückzugsort für die „Separatisten“ gedacht gewesen sein.

Der Betroffene erklärte natürlich, er habe „mit der Sache nichts zu tun“.
Die Staatsanwaltschaft sieht das offenbar anders und ermittelt wegen Verstößen gegen das Verbots- und Waffengesetz.

Im Jänner wurde schließlich bekannt: Anklage wegen Wiederbetätigung.

Fazit: Viel Aufwand für sehr wenig Realität

Der Prozess zeigt vor allem eines:
Manche Menschen verwechseln Telegram-Chats mit Staatsverträgen.

Was bleibt, ist eine Mischung aus gefährlicher Ideologie, paramilitärischem Rollenspiel und tragischer Lächerlichkeit – allerdings mit realen Waffen und realem Schadenpotenzial.

Oder anders gesagt:
Wenn Fantasien bewaffnet werden, hört der Spaß auf – auch in Sachsen.

 

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