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S-Factoring und die Mit-Finanzierung von Energiekonzepte Deutschland GmbH – ein Modell am Kipppunkt?

guilaine (CC0), Pixabay
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S Factoring und die Finanzierung von Energiekonzepte Deutschland GmbH – ein Modell am Kipppunkt?

Die Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) gehört zweifellos zu den bemerkenswertesten Aufsteigern der deutschen Solarbranche in den vergangenen Jahren. Zwar war das Unternehmen zu keinem Zeitpunkt Marktführer, doch schaffte es durch ein außergewöhnlich schnelles Wachstum eine beachtliche Marktpräsenz zu erlangen – auch dank eines unkonventionellen Vertriebsmodells für die Branche: dem Strukturvertrieb.

Was ist ein Strukturvertrieb?

Ein Strukturvertrieb basiert auf einem mehrstufigen Netzwerk aus Vertriebsmitarbeitern, die neue Kunden gewinnen – und oftmals auch neue Verkäufer anwerben. Diese Form erinnert an Multi-Level-Marketing (MLM) und wird in der Energie- und Baubranche eher selten eingesetzt. Die Vorteile liegen in schneller Marktdurchdringung – allerdings können Kontrolle, Qualitätssicherung und Kundenbindung darunter leiden.

Finanzierung durch S Factoring aus Dresden

Ein solches Wachstum braucht Kapital. Einer der wichtigsten Finanzpartner von EKD war S Factoring mit Sitz in Dresden – ein Unternehmen im Besitz der Sparkasse Leipzig und der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. S Factoring übernimmt sogenannte Forderungsfinanzierungen.

Wie funktioniert Factoring?

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen offene Forderungen (z. B. aus Kundenrechnungen) an einen Finanzdienstleister – in diesem Fall S Factoring – und erhält dafür sofort Liquidität. Der Factoring-Anbieter trägt das Ausfallrisiko und kümmert sich um das Forderungsmanagement.

Wichtig für Kund:innen: Die Factoring-Gesellschaft ist nicht für die mangelfreie Leistung verantwortlich. Bleiben etwa Lieferungen aus oder ist eine Installation mangelhaft, bleibt EKD der direkte Ansprechpartner. Dennoch kann es passieren, dass Kunden Mahnungen von der Factoring erhalten – obwohl die Leistung nicht vollständig erbracht wurde. Eine Situation, die laut Brancheninsidern häufiger vorgekommen sein soll.

Bonitätsrisiko – wie geht es weiter?

Die Lage hat sich nun deutlich verändert. Mit der aktuellen Bonitätseinstufung von 500 (Creditreform) gilt EKD als wirtschaftlich nicht mehr kreditwürdig. Für S Factoring stellt sich daher die Frage, ob eine Geschäftsbeziehung unter diesen Bedingungen noch tragbar ist – oder ob ein grundsätzlicher Ausstieg notwendig ist. Die Entscheidung liegt letztlich bei den Gesellschaftern.

Die Redaktion hofft unterdessen, dass der ebenfalls beteiligte Finanzierer Pembertin das Unternehmen stabilisiert und eine mögliche Insolvenz verhindert. Eine solche Entwicklung wäre für alle Beteiligten – Kunden, Mitarbeitende und die Region – ein herber Schlag.

Kein Geschäftsmodell für die Zukunft?

Ob EKD langfristig überlebensfähig ist, hängt nicht nur von finanzieller Unterstützung ab. Das Geschäftsmodell – ein strukturvertriebsgetriebener Konzeptanbieter ohne eigene Produktentwicklung – wirft grundlegende Fragen auf. Für den Standort Leipzig, an dem rund 400 Arbeitsplätze hängen, wäre ein Scheitern jedoch ein massiver Einschnitt.

Ein Neustart müsste mit einer schonungslosen Analyse der vergangenen Jahre beginnen. Angeblich sollen aktuell rund 10.000 Kund:innen über 40 Millionen Euro zurückhalten – wegen mangelhafter Leistungen. Sollte diese Zahl stimmen, ist der Handlungsbedarf offensichtlich.

Eines scheint sicher: S Factoring wird unter den aktuellen Bedingungen wohl kaum weiter als Finanzierer der EKD auftreten, solange sich an der Bonitätssituation nichts grundlegend ändert.

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