Ein geopolitischer Konflikt um das arktische Grönland spitzt sich dramatisch zu: Die USA planen offenbar die Stationierung eines neuen Raketenschutzschildes auf der autonomen dänischen Insel – und Russland warnt nun vor möglichen militärischen Gegenmaßnahmen.
Der stellvertretende russische Außenminister Sergei Rjabkow erklärte bei einem Besuch in Peking:
„Das ist eine neue Realität – wir sind bereit dafür.“
Was genau diese „Bereitschaft“ bedeutet, ließ er offen – ein Wettrüsten wolle man aber vermeiden.
Grönland wird zur strategischen Schachfigur
Hintergrund ist die mögliche Stationierung des sogenannten „Golden Dome“-Systems – ein mehrschichtiges US-Raketenabwehrprogramm, inspiriert vom israelischen „Iron Dome“, das Raum- und Bodensysteme umfassen soll. Der Standort Grönland, strategisch zwischen Nordamerika, Europa und Russland gelegen, wird damit zur heiß umkämpften Zone.
Ex-Präsident Donald Trump hatte bereits im Januar ein „Grundsatzabkommen“ mit der NATO zur Verteidigungsnutzung Grönlands verkündet – offenbar ohne vorherige Absprache mit der Regierung Dänemarks. Konkrete Details sind bislang kaum bekannt, Trump kündigte jedoch an, „bald mehr Informationen zu veröffentlichen“.
New START vor dem Ende
Brisant wird die Lage auch durch den drohenden Ablauf des New START-Vertrags, dem letzten verbliebenen bilateralen Abrüstungsabkommen zwischen den USA und Russland. Dieser trat 2010 in Kraft und begrenzt die strategischen Atomwaffen beider Seiten auf jeweils 1.550 Sprengköpfe. Er läuft am 5. Februar 2026 aus.
Dmitri Medwedew, ehemaliger Präsident und heute stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats, warnte:
„Sollte es keinen neuen Vertrag geben, wäre das ein gefährlicher Moment für die Welt.“
Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte sich bereit, die bestehenden Beschränkungen für ein weiteres Jahr einzuhalten – unter der Bedingung, dass auch die USA mitziehen. Die Trump-Regierung forderte hingegen ein „besseres Abkommen“.
USA eskalieren – neue Risiken im All
Kritik kommt auch von US-Experten:
Jennifer Kavanagh, Militärexpertin des Thinktanks Defense Priorities, betonte:
„Das Ende von New START bringt mehr Risiken als Vorteile – besonders angesichts der Spannungen mit Russland und China.“
Die jüngsten US-Pläne zur Raketenabwehr in Grönland verschärfen laut Bulletin of the Atomic Scientists zudem die Gefahr eines Wettlaufs im All.
In ihrer Erklärung zur aktuellen Lage setzte die Organisation ihre symbolische „Doomsday Clock“ auf 85 Sekunden vor Mitternacht – so nah wie nie zuvor an einem hypothetischen Weltuntergang.
Russische Doppelbotschaften
Russland zeigt sich in Bezug auf Trumps Grönland-Ambitionen gespalten: Einerseits wird die Stationierung amerikanischer Waffen scharf verurteilt, andererseits lobt die staatliche Rossiiskaja Gaseta Trumps Initiative und kritisiert europäische Staaten wie Dänemark, Frankreich und Großbritannien wegen ihrer „Schein-Solidarität“.
Ein Kommentar des Blattes fragte kürzlich:
„Steht das Ende der NATO bevor, weil Dänemark sich Trumps historischem Durchbruch in den Weg stellt?“
Fazit: Ein eisiger Streit um das ewige Eis
Während das arktische Grönland in neuer strategischer Kälte versinkt, taut das diplomatische Eis zwischen Moskau und Washington keineswegs – im Gegenteil: Mit dem möglichen Aus für New START, wachsender Militärpräsenz im Norden und diplomatischem Nebel um Trumps „Goldene Kuppel“ droht ein geopolitischer Rückfall in Zeiten des Kalten Krieges.
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