Die russische Regierung hat die Blockierung des Messengerdienstes WhatsApp angeordnet und verschärft damit ihren Kurs gegen ausländische Kommunikationsplattformen. Der zu Meta gehörende Dienst sprach von einem Versuch, mehr als 100 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Russland zu einer staatlich kontrollierten Alternative zu drängen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Meta habe sich geweigert, russische Gesetze einzuhalten. Eine Wiederaufnahme des Betriebs sei möglich, sollte das Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und den Dialog suchen. Zugleich verwies er auf den staatlich entwickelten Messenger „Max“ als „verfügbare nationale Alternative“.
Auch der Zugang zu Telegram wird nach Angaben der Medienaufsicht Roskomnadsor weiter eingeschränkt. Offiziell werden Sicherheitsbedenken angeführt. Telegram ist in Russland weit verbreitet und wird Berichten zufolge auch vom Militär genutzt. Pro-Kriegs-Blogger beklagen bereits Beeinträchtigungen der Kommunikation.
Seit Jahren arbeitet Moskau an einer stärkeren Kontrolle des Internets und am Aufbau eigener Plattformen. Mit dem Krieg gegen die Ukraine hat sich dieser Prozess beschleunigt. Kritiker warnen, die App „Max“ könne staatlicher Überwachung dienen; staatliche Medien weisen dies zurück. Die Anwendung wird landesweit beworben und muss seit 2025 auf allen neu verkauften Geräten vorinstalliert sein. Berichten zufolge werden Beschäftigte im öffentlichen Dienst sowie Studierende zunehmend zur Nutzung verpflichtet.
Die Behörden werfen WhatsApp und Telegram vor, Nutzerdaten nicht wie gesetzlich vorgeschrieben in Russland zu speichern. Zudem diene WhatsApp häufig Betrugszwecken – ein weiteres Argument für den Wechsel zu „Max“. WhatsApp erklärte, man setze alles daran, Menschen weiterhin sichere und private Kommunikation zu ermöglichen. Eine Isolation von Millionen Nutzern erhöhe nicht die Sicherheit, sondern gefährde sie.
Meta war 2022 in Russland als „extremistische Organisation“ eingestuft worden; Facebook und Instagram sind seither blockiert. Laut Berichten wurden zuletzt weitere internationale Webseiten aus dem staatlichen Domainregister entfernt und sind nur noch über VPN-Dienste erreichbar.
Telegram-Chef Pawel Durow kritisierte die Maßnahmen scharf. Die Einschränkungen dienten dazu, Bürger zu einer staatlich kontrollierten Plattform zu drängen. Die Beschneidung der Kommunikationsfreiheit sei „niemals die richtige Antwort“, so Durow.
Kommentar hinterlassen