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Russell Nelson tot – Mormonen verlieren Kirchenoberhaupt und Symbol einer konservativen Ära

JACLOU-DL (CC0), Pixabay
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Russell M. Nelson ist tot. Mit 101 Jahren starb das Oberhaupt der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – besser bekannt als die Mormonen – „friedlich“ in seinem Haus in Salt Lake City, wie die Kirche mitteilt. Was die Institution als feierlichen Abschied von ihrem „ältesten Präsidenten aller Zeiten“ zelebriert, markiert für Kritiker vor allem das Ende einer Ära, die von rigidem Dogma und umstrittenen Entscheidungen geprägt war.

Nelson, ein ehemaliger Herzchirurg, übernahm 2018 mit 93 Jahren das Amt – und stand fortan nicht nur sinnbildlich, sondern faktisch für eine Kirche, die sich gegen viele gesellschaftliche Entwicklungen stemmte. In seiner Amtszeit verankerte er zunächst die Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Paare – mitsamt religiösem Bann für deren Kinder. Erst später wurde diese Linie offiziell aufgeweicht, aber die Narben blieben. Viele wandten sich ab, zu viele wurden verletzt.

Jetzt hinterlässt Nelson eine riesige Familie – acht Kinder, 57 Enkel, über 167 Urenkel. Eine perfekte Illustration des mormonischen Ideals? Oder ein Sinnbild für die Unvereinbarkeit dieser Werte mit modernen, pluralistischen Lebensrealitäten?

Die Entscheidung über die Nachfolge liegt nun beim „Kollegium der Zwölf Apostel“, jenem elitären Führungskreis, der seit der Gründung der Kirche im Jahr 1830 wie ein spiritueller Verwaltungsrat über Millionen Gläubige herrscht. 17 Millionen Mitglieder zählt die Organisation nach eigenen Angaben – ein mächtiger Apparat, gestützt auf Disziplin, Missionseifer und einen strengen Moralkodex.

Doch der Einfluss der Mormonen-Kirche, gerade in den USA, reicht weit über spirituelle Fragen hinaus – er betrifft Politik, Bildung, Rechte von Frauen und Minderheiten. Mit Nelsons Tod steht die Institution vor der Frage, ob sie an einem überholten Weltbild festhält – oder ob sie den Mut aufbringt, sich tatsächlich zu erneuern.

Der Tod eines Menschen mag Anlass zur Trauer sein. Doch der Abgang eines religiösen Hardliners ist auch ein Moment der kritischen Bilanz.

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