Die britische Vizepremierministerin Angela Rayner ist am 5. September 2025 von ihren Ämtern zurückgetreten. Sie gab sowohl ihre Funktion als Vizepremierministerin, als Ministerin für Wohnen, Kommunen und Selbstverwaltung als auch ihr Amt als stellvertretende Vorsitzende der Labour-Partei auf.
Grund des Rücktritts
Hintergrund ist eine Kontroverse um zu geringe Steuerzahlungen beim Erwerb einer Immobilie in Hove. Rayner hatte im Mai 2025 eine Wohnung im Wert von rund 800.000 Pfund erworben. Dabei entrichtete sie lediglich den Standard-Steuersatz, obwohl für Zweitwohnungen ein höherer Steuersatz gilt. Durch diese Einstufung sparte sie mutmaßlich rund 40.000 Pfund.
Ein unabhängiger Ethikberater, Sir Laurie Magnus, kam zu dem Ergebnis, dass Rayner damit gegen den Ministerkodex verstoßen habe. Zwar wurden ihr keine vorsätzlichen Täuschungsabsichten unterstellt, doch sie selbst übernahm in ihrem Rücktrittsschreiben die volle Verantwortung für den Fehler und kündigte an, die ausstehenden Steuern nachzuzahlen.
Politische Bedeutung
Der Rücktritt stellt für Premierminister Keir Starmer und seine Regierung einen schweren Rückschlag dar. Rayner galt als zentrale Figur des linken Parteiflügels und als wichtige Integrationsfigur innerhalb der Labour-Partei. Sie hatte innerhalb der Partei ein starkes Profil aufgebaut, das insbesondere bei der Arbeiterschaft verankert war.
Politische Beobachter werten den Rücktritt als Schwächung der ohnehin angeschlagenen Labour-Regierung. In den aktuellen Umfragen liegt die Partei hinter der rechtspopulistischen Reform UK zurück. Zudem könnte Rayners Abgang neue Führungskämpfe innerhalb der Partei auslösen.
Ausblick
Der Rücktritt fällt in eine Phase, in der Premierminister Starmer bereits einen umfassenden Kabinettsumbau eingeleitet hat. Der Abgang Rayners gilt dabei als der politisch folgenreichste Schritt. Wer ihre Nachfolge antreten wird und wie sich die Machtbalance in der Labour-Partei verschiebt, bleibt zunächst offen.
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