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Rodrigo Paz: Erste 100 Tage im Amt – wirtschaftliche Stabilisierung im Fokus

jorono (CC0), Pixabay
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Mit seinem Amtsantritt am 8. November übernahm Boliviens Präsident Rodrigo Paz ein wirtschaftlich stark angeschlagenes Land. Hohe Inflation, sinkende Devisenreserven, ein beträchtliches Haushaltsdefizit sowie erhebliche Staatsausgaben prägten die Ausgangslage nach zwei Jahrzehnten Regierung unter der sozialistischen MAS-Partei. Zudem verfügte Paz über keine eigene Mehrheit im Parlament und sah sich mit innerparteilichen Spannungen sowie gesellschaftlicher Unzufriedenheit konfrontiert.

Bereits im Dezember rief Paz den wirtschaftlichen Notstand aus. Eine zentrale Maßnahme war die Abschaffung der staatlichen Treibstoffsubventionen, die den Staat jährlich Milliardenbeträge kosteten. Die Preise für Benzin und Diesel stiegen daraufhin deutlich an. Parallel dazu wurden der Mindestlohn und bestimmte Sozialleistungen erhöht, um die Auswirkungen auf einkommensschwache Bevölkerungsgruppen abzufedern.

Die Reformen führten zu Protesten, Straßenblockaden und einem Generalstreik. In Verhandlungen mit Gewerkschaften wurden einzelne Regelungen angepasst, an der Abschaffung der Subventionen hielt die Regierung jedoch fest.

International setzte Paz auf eine stärkere Einbindung Boliviens. Es kam zu diplomatischen Annäherungen an Chile und Brasilien sowie zur Wiederaufnahme offizieller Kontakte mit den USA. Die Europäische Union kündigte finanzielle Unterstützung an. Zudem bewilligte die Weltbank ein Darlehen in Höhe von 200 Millionen US-Dollar zur Stabilisierung des Sozial- und Wirtschaftssystems. Weitere Zusagen internationaler Entwicklungsbanken folgten.

Nach Angaben der Regierung ist die Inflationsrate zuletzt leicht gesunken, und auch das Länderrisiko habe sich verbessert. Paz plant darüber hinaus strukturelle Reformen, um Investitionen – insbesondere im Bereich Lithium, Öl und Gas – zu fördern. Bolivien verfügt über bedeutende Lithiumreserven, deren wirtschaftliche Nutzung ausgebaut werden soll.

Kritik kommt unter anderem von indigenen Organisationen und Transportgewerkschaften, die soziale Härten befürchten und die Wiedereinführung der Subventionen fordern. Die Regierung verweist hingegen auf die Notwendigkeit langfristiger Haushaltsdisziplin.

Beobachter sehen erste Ansätze wirtschaftlicher Stabilisierung, betonen jedoch, dass strukturelle Herausforderungen weiterhin bestehen.

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