Die heutige rightmart Services GmbH, bis Ende 2024 unter dem Namen Legal One GmbH firmierend, blickt auf eine mehr als zehnjährige Unternehmensgeschichte zurück, die von dynamischem Wachstum, strukturellen Veränderungen und zuletzt erheblichen wirtschaftlichen Einschnitten geprägt ist. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist im Bereich Dienstleistungen für Rechtsanwälte und Kanzleien tätig und positionierte sich früh als Full-Service-Anbieter an der Schnittstelle von Recht, Marketing, Technologie und Prozessunterstützung.
Gründung und Entwicklung
Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2014 zunächst als ADK Agentur für digitale Kanzleidienstleistungen UG, später als GmbH. Geschäftsführer und prägende Figur der Anfangsjahre war Felix Fidelsberger, der das Unternehmen strategisch auf den stark fragmentierten Kanzleimarkt ausrichtete. Ziel war es, Rechtsanwaltskanzleien Dienstleistungen außerhalb der klassischen juristischen Tätigkeit anzubieten – etwa in den Bereichen Strategie, Personal, Online-Marketing, Public Relations und Digitalisierung.
Bereits ab 2015 begann der systematische Markenaufbau: Mehrere Wort- und Wort-Bildmarken wie LegalOne wurden beim Deutschen Patent- und Markenamt sowie später auf EU-Ebene angemeldet. Parallel dazu wuchs das Unternehmen auch strukturell, unter anderem durch die Verschmelzung mit der Legal One Professionals GmbH im Jahr 2020.
Geschäftsentwicklung und wirtschaftliche Kennzahlen
Zwischen 2019 und 2022 zeigte sich eine insgesamt robuste Umsatzentwicklung auf hohem Niveau. Der geschätzte Jahresumsatz bewegte sich in dieser Zeit zwischen 11 und 18 Millionen Euro, bei einer Mitarbeiterzahl von rund 36 bis 41 Beschäftigten. Besonders bemerkenswert war die hohe Umsatzproduktivität pro Mitarbeiter, die zeitweise deutlich über 400.000 Euro lag – ein Wert, der auf eine stark skalierte Dienstleistungsstruktur hindeutet.
Auch die Ertragslage entwickelte sich zunächst positiv:
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2020 erzielte das Unternehmen einen Gewinn von rund 2,8 Mio. Euro,
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2021 folgten etwa 1,4 Mio. Euro,
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2022 nochmals rund 2,1 Mio. Euro.
Entsprechend hoch war in diesen Jahren auch die Eigenkapitalquote, die konstant über 85 % lag und dem Unternehmen eine sehr solide Bilanzstruktur bescheinigte. Das Eigenkapital erreichte 2020 einen Höchststand von über 5,5 Mio. Euro.
Bruch im Jahr 2023
Das Geschäftsjahr 2023 markiert jedoch einen deutlichen Wendepunkt. Die Bilanzsumme sank erheblich auf rund 2,8 Mio. Euro, während gleichzeitig ein Jahresverlust von etwa 3,8 Mio. Euro ausgewiesen wurde. Besonders gravierend ist der Einbruch des Eigenkapitals, das auf nur noch 175.000 Euro schrumpfte – bei einer Eigenkapitalquote von lediglich 6,2 %.
Gleichzeitig stiegen die Rückstellungen stark an (auf rund 1,69 Mio. Euro), ebenso die Verbindlichkeiten, die sich auf knapp 942.000 Euro mehr als verdoppelten. Der Kassenbestand reduzierte sich auf 680.000 Euro, nachdem er in den Vorjahren noch deutlich über der Zwei-Millionen-Marke gelegen hatte.
Diese Zahlen deuten auf eine massive Ergebnisbelastung, möglicherweise im Zusammenhang mit Restrukturierungsmaßnahmen, konzerninternen Gewinnabführungen oder strategischen Neuausrichtungen hin.
Konzernstruktur und Umfirmierung
Bereits in den Jahren zuvor war das Unternehmen Teil eines größeren Firmengeflechts. Es bestanden Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge, unter anderem mit der DGP Deutsche Gesellschaft für Prozessfinanzierung mbH sowie später mit der rightmart GmbH.
Im November 2024 erfolgte schließlich die Umfirmierung zur rightmart Services GmbH, verbunden mit einer Neuausrichtung innerhalb der rightmart-Gruppe. Seit Januar 2026 ist Marco Klock als Geschäftsführer bestellt, während der langjährige Geschäftsführer Felix Fidelsberger aus der operativen Verantwortung ausgeschieden ist.
Geschäftsfeld und Marktposition
Inhaltlich versteht sich rightmart Services (vormals Legal One) weiterhin als Dienstleistungs- und Serviceplattform für Kanzleien, insbesondere in wachstumsstarken Segmenten wie Massenverfahren, Prozessfinanzierung und digitaler Mandantenakquise. Das Unternehmen agiert dabei nicht als klassische Kanzlei, sondern als infrastruktureller Dienstleister, der juristische Arbeit wirtschaftlich skalierbar machen soll.
Einordnung und Ausblick
Die Entwicklung der rightmart Services GmbH zeigt exemplarisch die Chancen und Risiken im Legal-Tech- und Kanzleidienstleistungsmarkt: Hohe Skalierbarkeit und starke Gewinne in Wachstumsphasen stehen einer hohen Abhängigkeit von Marktzyklen, regulatorischen Rahmenbedingungen und Konzernstrukturen gegenüber.
Ob der drastische Einbruch im Jahr 2023 als einmaliger Sondereffekt oder als Beginn einer nachhaltig schwierigeren Phase zu werten ist, wird sich erst mit den kommenden Jahresabschlüssen zeigen. Die Integration in die rightmart-Gruppe und der Führungswechsel könnten jedoch die Grundlage für eine strategische Stabilisierung und Neupositionierung bilden.
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