Nach dem tödlichen Schuss eines ICE-Beamten auf Renee Good in Minneapolis rücken nun neue Informationen in den Fokus: Die 38-Jährige war nicht nur Mutter und Ehefrau, sondern auch Mitglied im Vorstand der Southside Family Charter School, an der ihr Sohn unterrichtet wurde. Dort setzte sie sich gemeinsam mit anderen Eltern für die Beobachtung und Dokumentation von Einsätzen der Einwanderungsbehörde ICE ein.
Engagement statt Extremismus
Dokumente, die mit der Schule in Verbindung stehen, zeigen: Eltern wurden ermutigt, sogenannte „ICE-Watch“-Initiativen zu unterstützen – etwa durch den Einsatz von Trillerpfeifen zur Warnung vor Razzien oder durch Schulungen zu gewaltfreiem Widerstand. In den Leitfäden wird ausdrücklich auf friedliche Methoden gesetzt. Zwar wird zu „kreativen Taktiken“ geraten – etwa durch Menschenmengen oder Lärm –, doch nirgends finden sich Aufrufe zu Gewalt oder zur gezielten Blockade mit Fahrzeugen.
Rechtsexpertinnen und -experten betonen: Diese Methoden gehören zum klassischen Repertoire zivilen Ungehorsams und sind tief in der US-amerikanischen Protesttradition verwurzelt. Die Darstellung von Good als „extremistisch“ oder gar als „terroristisch“, wie sie von Regierungsvertretern geäußert wurde, steht damit auf äußerst wackligem Fundament.
Was geschah an dem Tag?
Am Morgen des Vorfalls hatte Renee Good gemeinsam mit ihrer Frau ihren Sohn zur Schule gebracht. Kurz darauf befand sie sich mit ihrem Fahrzeug in der Nähe einer ICE-Operation. Sie blockierte teilweise die Straße mit ihrem SUV. Ein ICE-Beamter, der die Situation filmte, schoss auf Good, als sie ihr Auto anfuhr. Aufnahmen belegen, dass sie nicht direkt auf den Beamten zusteuerte, sondern weglenkte. Ob es zu einer Berührung kam, ist nicht eindeutig geklärt.
Während Behörden behaupten, Good habe den Einsatz gezielt gestört und ICE-Beamte „den ganzen Tag verfolgt“, bezeichnen Angehörige und Beobachter diese Aussagen als überzogen und politisch motiviert. Goods Ehefrau erklärte später: „Wir wollten einfach unsere Nachbarn unterstützen. Wir hatten Pfeifen – sie hatten Waffen.“
Rücktritte aus Protest
Mindestens sechs hochrangige Staatsanwälte im Bundesstaat Minnesota legten inzwischen aus Protest gegen den politischen Druck im Zusammenhang mit dem Fall ihre Ämter nieder. Sie kritisieren, dass sich die Ermittlungen zunehmend gegen Renee Good und ihr Umfeld richten – statt sich auf die Frage zu konzentrieren, ob der tödliche Schuss gerechtfertigt war.
Eine Mutter, engagiert für ihre Schule
Renee Good war erst wenige Monate zuvor nach Minneapolis gezogen und hatte sich sofort aktiv ins Schulleben eingebracht. Sie besuchte regelmäßig Vorstandssitzungen, stellte Fragen zur Entwicklung der Schule und brachte sich bei Schulprojekten ein – etwa, indem sie mit ihrer Frau Blumentöpfe zum Bemalen für den Frühlingsverkauf beisteuerte.
Southside ist eine kleine, engagierte Grundschule mit Fokus auf soziale Gerechtigkeit. Projekte zu Bürgerrechtsgeschichte, Umweltbildung und Antidiskriminierung sind fester Bestandteil des Unterrichts. In einem Jahresbericht heißt es: „Die Schule will Kinder ermutigen, sich als aktive Bürger zu verstehen, die die Welt verändern können.“
Einschüchterung statt Aufklärung?
Nach dem Vorfall kam es zu Drohungen gegen Lehrkräfte und Mitarbeitende der Schule – ihre Namen und Adressen wurden im Internet veröffentlicht. Der Ton gegen zivilgesellschaftliches Engagement hat sich spürbar verschärft.
Juristische Beobachter zeigen sich alarmiert über die Ermittlungsrichtung. Die dokumentierten ICE-kritischen Materialien enthalten keine Anzeichen für Gewaltbereitschaft, wohl aber den Aufruf zu rechtlich umstrittenen, aber friedlichen Protestformen. Dass die Ermittlungen nicht das Handeln des ICE-Beamten in den Mittelpunkt stellen, sondern das Umfeld von Renee Good, wird von vielen Seiten als fatales Signal gewertet.
Fazit:
Renee Good war eine engagierte Bürgerin, die sich für ihre Nachbarschaft, für ihre Schule und für soziale Gerechtigkeit einsetzte. Die nun bekannt gewordenen Dokumente zeichnen das Bild einer friedlichen Aktivistin – nicht einer Kriminellen. Die Versuche, sie posthum zu kriminalisieren, werfen ernste Fragen zum Umgang mit Protest, Macht und Meinungsfreiheit aus.
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