Willkommen zur politisch brisantesten Gebrauchtwagenmesse des Jahres:
Im ehemaligen Autohaus von Vetschau gab es diesmal keine Schrägheckmodelle, sondern Schrägdenker mit Mikrofon. Zwischen Ölflecken und alten Preisschildern präsentierte der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner sein ganz persönliches „Remigrations“-Programm – live, unplugged, und flankiert von AfD-Landtagsabgeordneten Lena Kotré, die offenbar dachte: „Was die Parteispitze nicht weiß, macht sie nicht heiß.“
Das Problem: Die Parteispitze wusste es. Alice Weidel und Tino Chrupalla hatten extra interveniert, weil man mit Sellner offiziell gar nichts zu tun haben wollte – also zumindest nicht, wenn Kameras laufen. Aber: Was nützt ein Ordnungsruf aus Berlin, wenn Brandenburg sich denkt: „Wir machen das einfach wie immer – im kleinen Kreis und mit Anfahrtshinweis am Vorabend.“
Remigration 3.0 – jetzt mit Abschiebe-Anreizsystem
Sellner gab den Gastgeber, Kotré die rechte Vorfeld-Dekorateurin – gemeinsam lieferten sie ein Trio Infernale: Islam, Rassismus und „kulturfremde Einwanderung“. Besonders charmant: Sellners dreistufiges Remigrationskonzept, das im dritten Schritt auch deutsche Staatsbürger zur Ausreise motivieren möchte – mit „Anreizen“, versteht sich. Wahrscheinlich meint er damit keinen Koffer voller Kekse.
Dass sowas laut Bundesverwaltungsgericht mit dem Grundgesetz so kompatibel ist wie ein Heizpilz mit Fridays for Future, störte im Saal niemanden. Publikum: männlich, 20 bis 70, überwiegend „neugierig“, wie ein Besucher erklärte. „Der Sellner ist halt ein Star.“ Ob er dabei eher an Bruce Willis oder Björn Höcke dachte, blieb offen.
Kotré legt nach – und zwar heftig
Während Sellner den intellektuellen Understatement-Rechten mimte, übernahm Kotré den radikaleren Part. Sie erklärte, dass Menschen unterschiedlich seien – biologisch, versteht sich. Und weil sie das „nun mal ausspricht“, sei sie dann eben ein Rassist.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Karriere im Parteiausschlussverfahren.
Ihre weitere Forderung: Zurück zum „Abstammungsprinzip“ – eine Idee, die in Deutschland geschichtlich schon einmal gar nicht so gut ausgegangen ist. Aber wer will in Vetschau schon Erbsenzählen, wenn es um die „Leitkultur“ geht?
AfD-Distanzierungs-Theater – mit eingebauter Rückfahrkamera
Das Ganze bringt die Parteispitze mal wieder in Erklärungsnot: Man will sich offiziell abgrenzen, aber gleichzeitig auch den harten rechten Kern nicht verprellen. Die Strategie: Distanz durch Anwesenheit. Oder wie es in Autohaus-Kreisen heißt:
„Das ist kein Unfall, das ist Design.“
Weidel und Chrupalla wirken in dieser Inszenierung wie Fahrlehrer, deren Fahrschüler einfach immer in den rechten Graben lenken – und dann stolz fragen, ob das jetzt schon Spurhalten war.
Fazit:
Während draußen ein paar frierende Protestierende versuchten, an Demokratie zu erinnern, drinnen die Demokratiefeinde mit Flips und Wasser an ihrer Alternativ-Realität bastelten.
Vetschau, Brandenburg: Wo man nicht weiß, ob es ein Autohaus oder ein AfD-Parteitag ist – aber sicher ist, dass hier nichts TÜV-geprüft ist.
Hinweis der Redaktion: Dieser Text wurde mit einem Augenzwinkern verfasst. Für alles andere gibt es das Bundesverwaltungsgericht – und hoffentlich bald eine besser funktionierende politische Brandmauer.
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