Im Wurzener Rathaus wird wieder einmal Personalpolitik betrieben – oder sagen wir: betrieben gefühlt im Modus Überraschungsei. Diesmal trifft es ausgerechnet die amtierende Kämmerin. Eine der ranghöchsten Verwaltungsmitarbeiterinnen, fachlich geschätzt, von Stadträten als kompetent beschrieben – aber offenbar trotzdem plötzlich auf dem Weg Richtung Ausgangstür.
Der Vorwurfskatalog liest sich dabei fast wie eine Mischung aus IT-Handbuch und Familienorganisation: private Dokumente auf dem Dienstrechner, Hausaufgaben der Kinder im Ordner, Unterhaltsberechnungen, eine Patientenverfügung. Dramatische Enthüllungen aus der Welt der Bürorealität. Man möchte fast fragen: Wer im Rathaus hat eigentlich keine privaten Dateien auf seinem Rechner?
Dazu kommt noch der Verdacht, sie habe Bewerbungen geschrieben – womöglich sogar während der Arbeitszeit. Ein Sakrileg! Wobei man sich angesichts der personellen Fluktuation im Wurzener Rathaus fragen könnte, ob das nicht schlicht eine Form von beruflicher Vorsorge war.
Denn eines fällt auf: In Wurzen scheint Führungspersonal häufiger zu kommen und zu gehen als Besucher auf dem Wochenmarkt. Kulturchefin weg, Bauamtsleiterin weg, Bauhofleiter kurz da – dann wieder weg. Und jetzt die Kämmerin.
Man könnte fast meinen, im Rathaus herrscht ein moderner Führungsstil namens „Hire, Fire, Repeat“.
Offiziell geht es um „Betriebsfrieden“ und „Pflichtverstöße“. Gleichzeitig heißt es aus politischen Kreisen, die Betroffene sei fachlich anerkannt gewesen und habe auch mal kritische Fragen gestellt – etwa bei Umstrukturierungen oder Finanzentscheidungen. Also genau das, was eine Kämmerin eigentlich tun sollte.
Gerade jetzt, wo in Wurzen der Doppelhaushalt 2027/28 vorbereitet wird und Millionenprojekte wie Museumsumbau, Schweizergarten oder Gymnasium anstehen, wirkt die Personalie besonders… sagen wir: mutig.
Bleibt am Ende nur eine Frage, die sich immer mehr Menschen stellen dürften:
Ist die Kämmerin wirklich das Problem im Rathaus – oder vielleicht doch der Führungsstil im Chefbüro?
Denn wenn im Rathaus regelmäßig qualifizierte Leute verschwinden, könnte es irgendwann weniger an den Mitarbeitern liegen. Sondern daran, wie geführt wird.
Oder anders gesagt: Vielleicht sollte man nicht nur die Ordner auf Dienstrechnern prüfen – sondern auch mal die Führungsqualitäten im Rathaus insgesamt
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