Der Gründer des Autozulieferers Magna, Frank Stronach, muss sich ab Donnerstag vor einem kanadischen Gericht wegen schwerer Missbrauchsvorwürfe verantworten. Der Prozess sollte ursprünglich bereits am Dienstag starten, wurde jedoch auf Antrag der Verteidigung verschoben. Stronachs Anwältin bat um Aufschub, um neue Unterlagen zu prüfen. Der 93‑Jährige weist sämtliche Vorwürfe zurück und plädiert auf nicht schuldig.
Es handelt sich um den ersten von zwei Strafprozessen, denen sich Stronach in diesem Jahr stellen muss. Laut übereinstimmenden kanadischen Medien haben insgesamt 13 Frauen Anschuldigungen gegen ihn erhoben. Der erste Verfahrenskomplex beginnt nun in Toronto (Ontario), weitere Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket, ebenfalls in Ontario, verhandelt werden.
Vorwürfe reichen bis in die 1970er-Jahre zurück
Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen von versuchter Vergewaltigung im Jahr 1977 bis zu Vorwürfen von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen in den 1980er-, 1990er- und frühen 2000er‑Jahren. Zudem soll es laut Anklage auch im Frühjahr 2023 zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.
Mehrere der mutmaßlichen Taten sollen sich in Toronto sowie in Aurora, dem früheren Hauptsitz von Magna International, ereignet haben.
Frühere Anzeigen offenbar folgenlos
Wie der Toronto Star 2024 berichtete, seien einzelne Vorwürfe bereits vor rund zehn Jahren bei den Behörden angezeigt worden. Eine Frau habe der Polizei geschildert, Stronach habe sie als 20‑jährige Mitarbeiterin sexuell missbraucht. Trotz einer ausführlichen Aussage zu einer „schrecklichen Nacht im Juli 1980“ habe sie später keine Rückmeldung der Polizei erhalten.
Für Stronach gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Unternehmer, Politiker, Mäzen
Frank Stronach wanderte in den 1950er‑Jahren nach Kanada aus und baute ab 1967 Magna International auf, einen der weltweit größten Autozulieferer. 2010 zog er sich aus der operativen Führung zurück.
In Österreich wurde Stronach durch sein Engagement im Fußball, im Pferdesport und durch die Gründung der Partei Team Stronach bekannt. Bei der Nationalratswahl 2013 zog die Partei mit 5,7 Prozent ins Parlament ein, blieb jedoch hinter den Erwartungen deutlich zurück. Nach anhaltenden internen Konflikten wurde die Partei 2017 aufgelöst.
Familienstreit und Rückzug
2018 verklagte Stronach seine Tochter Belinda Stronach, zwei Enkelkinder und einen früheren Geschäftspartner wegen angeblicher Misswirtschaft über 520 Millionen kanadische Dollar. Belinda Stronach erhob eine Gegenklage. Der Rechtsstreit wurde später außergerichtlich beigelegt.
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