1. Überblick
Die Projekt Altglienicke GmbH & Co. KG weist zum 31.12.2021 eine Bilanzsumme von rund 7,94 Mio. € aus. Im Vorjahr lag die Bilanzsumme praktisch bei null – es handelt sich also um ein Jahr mit massivem Aufbau von Vermögen und Fremdfinanzierung.
2. Aktiva
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Umlaufvermögen fast ausschließlich unfertige Leistungen: 7,93 Mio. €.
👉 Das zeigt, dass das Unternehmen noch in der Projektentwicklungsphase steckt. Es gibt (noch) keine fertigen Immobilien oder Erlöse. -
Liquidität: nur 14.314 € auf der Bank – verschwindend gering im Verhältnis zur Bilanzsumme.
👉 Kritisch, da operative Flexibilität ohne Rückgriff auf Kreditlinien kaum gegeben ist.
3. Passiva
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Eigenkapitalstruktur:
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Pflicht- und variables Kapital der Gesellschafter: insgesamt ca. -130.000 € auf den Verlustsonderkonten.
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Kapitalrücklage: 2,0 Mio. €.
👉 Rechnet man alles zusammen, liegt das Eigenkapital bei ca. 1,82 Mio. €.
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Fremdkapital:
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Bankverbindlichkeiten von über 6 Mio. € machen rund 76 % der Bilanzsumme aus.
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Geringfügige sonstige Verbindlichkeiten (Lieferanten: 81 €, verbundene Unternehmen: 2.000 €).
👉 Damit ist die Gesellschaft hoch verschuldet und extrem abhängig vom Erfolg des Projekts.
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4. Bewertung
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Hebelwirkung (Leverage):
Die EK-Quote beträgt nur rund 23 % – bei Projektentwicklungen üblich, aber riskant. -
Projektabhängigkeit:
Nahezu das gesamte Vermögen steckt in einem einzigen Posten („unfertige Leistungen“). Scheitert das Projekt, ist die Gesellschaft faktisch insolvent. -
Liquiditätslage:
Nur 14.000 € Kassenbestand – gefährlich wenig für ein Unternehmen mit Millionenverbindlichkeiten. Laufende Kosten und unvorhergesehene Ausgaben sind damit kaum abgedeckt. -
Risikoverteilung:
Der gesamte Erfolg hängt am Verkauf/der Fertigstellung der Projektentwicklung. Ein Verzug oder Preisverfall am Immobilienmarkt würde die Rückzahlung der Bankdarlehen gefährden.
5. Kritische Punkte
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Einseitige Bilanzstruktur: Fast 100 % des Vermögens in einem einzigen Projekt – keine Diversifikation.
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Hohe Fremdfinanzierung: Banken tragen das Hauptfinanzierungsrisiko, die Gesellschafter halten sich trotz Kapitalrücklage (2 Mio. €) relativ bedeckt.
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Eigenkapital teilweise „kosmetisch“: Die Kapitalrücklage puffert zwar Verluste, aber durch die Verlustsonderkonten ist schon ein erheblicher Teil des Eigenkapitals aufgezehrt.
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Fehlende Mitarbeiter: Das Projekt scheint komplett extern gesteuert – potenzielles Risiko für Kostenkontrolle und Abhängigkeit von Dienstleistern.
6. Fazit
Die Bilanz zeigt ein klassisches Immobilien-Projektentwicklungsvehikel: hohe Kredite, gebundenes Vermögen im Projekt, minimale Liquidität.
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Positiv: hohe Kapitalrücklage, solide Größe des Projekts.
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Negativ: extreme Abhängigkeit vom Projekterfolg, sehr geringe Liquidität, bereits jetzt gebuchte Verluste auf Gesellschafterkonten.
👉 Kritische Einschätzung: Das Unternehmen steht und fällt mit dem Projekt Altglienicke. Läuft es planmäßig, werden die Bankkredite zurückgeführt und Gewinne realisiert. Kommt es zu Verzögerungen, Kostensteigerungen oder Marktproblemen, droht Zahlungsunfähigkeit.
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