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„Private Equity ist kein Produkt für jeden Kleinanleger“

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Frage: Herr Reime, Trade Republic bietet jetzt Private-Equity-Fonds für Kleinanleger an. Klingt nach einer spannenden Chance – was halten Sie davon?

Jens Reime: Grundsätzlich ist Private Equity interessant, weil es Zugang zu Unternehmen eröffnet, die nicht an der Börse gelistet sind. Aber: Es ist eine Anlageklasse mit hohen Risiken und geringer Transparenz. Man darf sich nicht von der schicken App-Oberfläche täuschen lassen – das ist kein Sparbuch und auch kein ETF.

Frage: Was bedeutet das konkret für Kleinanleger?

Jens Reime: Zum einen ist das Geld oft lange gebunden. Diese Fonds sind nicht jederzeit handelbar wie Aktien. Trade Republic will zwar einen internen Marktplatz anbieten, aber es gibt keine Garantie, dass man seine Anteile schnell und zu einem fairen Preis loswird. Wer investiert, muss also davon ausgehen, dass das Geld für viele Jahre nicht verfügbar ist.

Frage: Trade Republic wirbt mit einer Zielrendite von 12 %. Ist das realistisch?

Jens Reime: Eine sogenannte Zielrendite ist nichts weiter als eine unverbindliche Prognose. Sie ist kein Versprechen und keine Garantie. Historische Zahlen taugen in diesem Bereich nur begrenzt, weil sich die Marktbedingungen stark verändert haben – vor allem durch die gestiegenen Zinsen. Anleger müssen damit rechnen, dass auch Verluste möglich sind.

Frage: Welche Risiken sind besonders wichtig?

Jens Reime: Drei Punkte:

  1. Intransparenz – Oft weiß man nicht genau, in welche Firmen investiert wird. Bei Apollo etwa werden die Unternehmen nicht namentlich genannt.

  2. Kosten – Die Fonds sind teuer. Laufende Gebühren von 2 bis 4,5 % pro Jahr sind üblich. Dazu kommen teils hohe Ausstiegskosten. Das frisst die Rendite.

  3. Klumpenrisiken – Anders als bei einem weltweiten Aktien-ETF ist man stark von einzelnen Firmen abhängig. Läuft es bei einem dieser Unternehmen schlecht, spürt man das sofort.

Frage: Wie bewerten Sie den Einführungsbonus von 1 % für frühe Anleger?

Jens Reime: Das ist ein klassischer Lockeffekt. Anleger sollen schnell zugreifen, bevor der Countdown abläuft. Aber: Finanzentscheidungen sollten niemals unter Zeitdruck getroffen werden. Gerade bei komplexen und riskanten Produkten ist das sehr gefährlich.

Frage: Was ist Ihr Rat an Anleger, die das Angebot interessant finden?

Jens Reime: Wer sich für Private Equity interessiert, sollte sich bewusst machen: Das ist eine Wette auf lange Sicht, bei der man sein Geld im Zweifel viele Jahre nicht sieht. Für Kleinanleger, die auf Flexibilität angewiesen sind oder die Risiken nicht einschätzen können, ist das nicht geeignet. Besser ist es, mit breit gestreuten, kostengünstigen Fonds wie ETFs anzufangen.

Frage: Ihr Fazit in einem Satz?

Jens Reime: Private Equity ist eine spannende Anlageklasse – aber kein Produkt für den Massenmarkt. Kleinanleger sollten sehr vorsichtig sein und sich nicht von Renditeversprechen oder Einmalboni locken lassen.

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