In Ecuador ist es zu einem schweren Sicherheitsvorfall gekommen: Nach Angaben von Umweltministerin Inés Manzano wurde die Autokolonne des ecuadorianischen Präsidenten Daniel Noboa am Dienstag angegriffen und beschossen. Der Präsident blieb unverletzt, bestätigte die Ministerin gegenüber lokalen Medien.
Demnach sei Noboa während eines offiziellen Termins von rund 500 Demonstrierenden attackiert worden. „Sie bewarfen die Fahrzeuge mit Steinen, und es gibt offensichtlich auch Einschusslöcher am Auto des Präsidenten“, erklärte Manzano. Laut der Ministerin seien fünf Personen festgenommen worden – ihnen wird versuchter Mord und Terrorismus vorgeworfen.
Regierung veröffentlicht Videomaterial
Die Regierung veröffentlichte ein kurzes Video, das offenbar aus dem Inneren eines der gepanzerten Fahrzeuge der Präsidentenkolonne stammt. Darin ist zu sehen, wie maskierte Personen und Demonstrierende mit Flaggen und Ziegeln in der Hand am Straßenrand stehen und offenbar Wurfgeschosse vorbereiten. Die Aufnahmen sollen laut Präsidialamt den Moment unmittelbar vor dem Angriff zeigen.
Angespannte Lage im Land
Der Vorfall ereignet sich in einer Zeit wachsender politischer Spannungen und sozialer Unruhen in Ecuador. Präsident Noboa, seit 2023 im Amt, steht wegen seiner harten Linie gegen Drogenkartelle und seiner Wirtschaftspolitik zunehmend in der Kritik. Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste und Straßenblockaden, vor allem in ländlichen Regionen und in der Hauptstadt Quito.
Noboa hatte nach seiner Wahl den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zur obersten Priorität erklärt und den Ausnahmezustand über Teile des Landes verhängt. Besonders in den Hafenstädten Guayaquil und Esmeraldas eskalierte die Gewalt zuletzt, nachdem rivalisierende Banden gezielte Anschläge auf Polizei und Militär verübt hatten.
Ermittlungen laufen
Die Sicherheitskräfte haben die Ermittlungen zum Angriff aufgenommen. Ob tatsächlich Schüsse abgefeuert wurden, wird derzeit kriminaltechnisch untersucht. Die Regierung erklärte, man werde den Fall „mit aller Härte des Gesetzes“ verfolgen.
Innenminister Mónica Palencia sprach von einem „koordinierten Angriff“, der offenbar darauf abgezielt habe, den Präsidenten einzuschüchtern. „Das war kein spontaner Protest, sondern ein gezielter Angriff auf die staatliche Autorität“, sagte sie.
Noboa bleibt im Amtssitz unter Schutz
Präsident Noboa wurde nach dem Angriff unter verstärkten Schutz gestellt. Laut Regierungsangaben soll der Präsident weiterhin an seinem Terminkalender festhalten, jedoch mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.
Beobachter sehen den Angriff als weiteres Zeichen für die Zunahme politischer Gewalt in Ecuador, das seit Jahren mit einer wachsenden Einflussnahme der Drogenkriminalität und einer angespannten Sicherheitslage zu kämpfen hat.
Die Opposition forderte indes eine unabhängige Untersuchung, um auszuschließen, dass der Angriff politisch instrumentalisiert werde.
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