Mehr als ein Jahr nach der schwersten Flugkatastrophe in der Geschichte Südkoreas hat die Polizei das Verkehrsministerium durchsucht. Hintergrund sind wachsende Zweifel am Umgang der Behörden mit den Ermittlungen nach dem Absturz von Jeju Air Flug 2216.
Die Maschine vom Typ Boeing 737-800 war am 29. Dezember 2024 am Muan International Airport über die Landebahn hinausgeschossen und gegen eine Betonstruktur geprallt. Von den 181 Menschen an Bord überlebten nur zwei Flugbegleiter, die sich im Heck der Maschine befanden.
Polizei sucht nach neuen Hinweisen
Ermittler durchsuchten am Freitag die Zentrale des Verkehrsministeriums in der Stadt Sejong, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Die Behörden hoffen, neue Hinweise zur Ursache des Unglücks zu finden und zu klären, ob staatliche Stellen den Fall korrekt behandelt haben.
Die Ergebnisse der offiziellen Untersuchung sollen bis Mitte des Jahres veröffentlicht werden. Parallel laufen mehrere weitere Untersuchungen, unter anderem durch verschiedene Behörden sowie das südkoreanische Parlament.
Neue Funde lösen Empörung aus
Zuletzt hatte ein Fund von weiteren menschlichen Überresten und persönlichen Gegenständen der Opfer für öffentliche Empörung gesorgt. Ermittler entdeckten diese in Säcken zusammen mit Trümmern, die vom Unfallort entfernt worden waren.
Angehörige der Opfer hatten bereits seit Monaten gefordert, die gesammelten Trümmer erneut zu untersuchen. Nachdem die Überreste entdeckt wurden, ordnete Präsident Lee Jae Myung eine zusätzliche Untersuchung an.
Der Präsident verlangte außerdem disziplinarische Maßnahmen gegen Verantwortliche, die für Verzögerungen bei der Bergung der Opfer verantwortlich sein könnten.
Das Verkehrsministerium entschuldigte sich zwar öffentlich, doch die Familien der Opfer wiesen die Entschuldigung zurück. Ein Vertreter der Angehörigen erklärte, die späte Reaktion fühle sich an, „als würden die Opfer ein zweites Mal getötet“.
Betonstruktur könnte Katastrophe verschlimmert haben
Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass das Flugzeug kurz vor der Landung mit einem Schwarm Zugvögel kollidiert war. Dennoch gelang es den Piloten zunächst, das Flugzeug ohne ausgefahrenes Fahrwerk auf dem Bauch zu landen und über die Landebahn zu rutschen.
Erst der Zusammenstoß mit einer Betonstruktur am Ende der Landebahn führte zu einer Explosion und einem Feuerball.
Eine Untersuchung des staatlichen Rechnungshofes ergab inzwischen, dass diese Konstruktion offenbar aus Kostengründen errichtet wurde. Statt das Gelände für das Navigationssystem zu ebnen, wurde eine erhöhte Betonstruktur gebaut.
Solche Anlagen – sogenannte Localizer-Systeme, die Piloten bei der Landung unterstützen – sollten eigentlich so konstruiert sein, dass sie bei einem Aufprall leicht nachgeben.
Simulationen zufolge hätten alle 181 Menschen an Bord möglicherweise überlebt, wenn das Flugzeug nicht gegen die massive Betonkonstruktion geprallt wäre.
Konsequenzen an Flughäfen
Nach dem Unglück entfernten die südkoreanischen Luftfahrtbehörden innerhalb eines Monats ähnliche Betonstrukturen an sieben Flughäfen im Land.
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