Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom den früheren US-Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert – und damit den innenpolitischen Machtkampf um die künftige Ausrichtung der Vereinigten Staaten auf die internationale Bühne getragen. In einer 30-minütigen Rede warf Newsom Trump „Korruption in nie dagewesenem Ausmaß“ sowie die „Instrumentalisierung staatlicher Institutionen“ vor.
„Wie zum Teufel können wir das einfach hinnehmen?“, fragte Newsom in seinem Gespräch mit Semafor-Chefredakteur Ben Smith. „Ich bin nicht naiv – wir erleben Korruption in einer Dimension, wie sie Amerika noch nie gesehen hat.“
Alte Feindschaft in neuer Dimension
Der politische Schlagabtausch zwischen dem kalifornischen Gouverneur und dem republikanischen Ex-Präsidenten ist nicht neu, doch Newsoms Auftritt in Davos markiert eine neue Eskalationsstufe. In Anwesenheit zahlreicher Staats- und Wirtschaftsführer bezeichnete er Trumps Rede vom Vortag als „taktlos“ und „unbedeutend“. Trump hatte wiederum Newsom zuvor als „guten Kerl“ bezeichnet, mit dem er sich „früher gut verstanden“ habe – doch nun sei das Verhältnis „verändert“.
Showdown um Rederecht – Einlass verwehrt
Für zusätzlichen Zündstoff sorgte ein Zwischenfall rund um Newsoms geplanten Auftritt bei der sogenannten „USA House“-Veranstaltung, einer offiziellen Plattform für US-Vertreter beim WEF. Newsom wurde der Zugang verweigert – angeblich auf Geheiß der Trump-Administration. Erst Stunden später wurde er zur „VIP Nightcap“ eingeladen, lehnte aber ab. Auf X (ehemals Twitter) spottete Newsom:
„Wie schwach und erbärmlich muss man sein, um Angst vor einem Kamin-Gespräch zu haben?“
Spott mit Knieschonern – Provokation oder Performance?
Newsom nutzte seinen Auftritt auch für eine provokative Inszenierung: Er präsentierte rote Knieschoner mit Trumps Unterschrift, die er angeblich über eine Website verkaufe – als Symbol für die „Haltung“ vieler Konzerne, Universitäten und Juristen gegenüber dem ehemaligen Präsidenten. „Die letzte Lieferung war sofort ausverkauft“, erklärte Newsom. „Sie sind auch im Großhandel erhältlich.“
Trump-kritische Stimmen im Publikum reagierten mit Gelächter – konservative Kommentatoren sprachen hingegen von „einem Gouverneur im Ego-Rausch“.
Kalifornien gegen MAGA – Wirtschaftskraft als Argument
Newsom konterte die Vorwürfe der Republikaner gegen seinen Bundesstaat mit wirtschaftlichen Fakten. Kalifornien sei „keineswegs ein Drecksloch“, sondern die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, mit der höchsten Zahl an Fortune-500-Unternehmen und der höchsten Mindestlohngrenze der USA. „MAGA lernt gerade, dass Kalifornien lebt und floriert“, erklärte seine Pressestelle auf X.
Auch der Konflikt um die Redistricting-Karte (Neuaufteilung der Wahlkreise) in Kalifornien war Thema: Mit Verweis auf die umstrittene Neuzuordnung in Texas unter Trump betonte Newsom, dass Kalifornien „zurückgeschlagen“ habe – durch einen eigenen demokratischen Neuaufteilungsplan, der fünf republikanisch gehaltene Sitze umwandeln konnte.
Persönlicher Angriff von Finanzminister
US-Finanzminister Scott Bessent griff Newsom bei einer Pressekonferenz frontal an und bezeichnete ihn als „Patrick Bateman trifft Sparkle Beach Ken“ – eine Anspielung auf den narzisstischen Serienkiller aus American Psycho und Barbies Freund. Newsom sei „zu selbstverliebt und zu wirtschaftlich ahnungslos“, so Bessent.
Ein Schatten für 2028?
Hinter den Wortgefechten verbirgt sich wohl auch ein strategisches Kalkül: Newsom gilt als aussichtsreicher demokratischer Präsidentschaftskandidat für 2028. Seine harte Rhetorik, seine internationale Präsenz und seine Bereitschaft zur direkten Konfrontation mit Trump könnten ihm dabei helfen, sich als kämpferische Gegenfigur im Stil Trumps zu profilieren.
„Trump spürt Schwäche – das ist seine größte Stärke“, sagte Newsom. „Wenn man zurückschlägt, wenn man Feuer mit Feuer bekämpft, entsteht eine andere Dynamik.“
Fazit:
Was in Davos als Nebenschauplatz begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Vorwahlkampf auf globaler Bühne. Newsom zeigt sich angriffslustig – und testet, ob ein Demokrat mit Trumps Stilmittel gegen Trump bestehen kann.
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