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Politische Außenseiter scheitern am mächtigen Patronagesystem Thailands

Walkerssk (CC0), Pixabay
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Als Chutiphong Pipoppinyo 2023 für die progressive Move-Forward-Partei ins Parlament einzog, galt er als Teil einer „orangenen Welle“ junger, idealistischer Kandidaten, die das politische Establishment Thailands erschütterten. Drei Jahre später hat er sein Mandat wieder verloren – geschlagen von einem Kandidaten aus einer traditionsreichen lokalen Machtfamilie.

„Einmal saß ich auf einem Kinderfest neben einem anderen Politiker“, erzählt Chutiphong. „Er hatte einen Stapel 100-Baht-Scheine dabei, um sie an Kinder zu verteilen. Ich kam mit leeren Händen. Wie sollte ich da mithalten?“

Rückkehr der „Baan Yai“-Politik

Seine Niederlage steht exemplarisch für ein größeres Phänomen: das Comeback der sogenannten „Baan Yai“-Politik – wörtlich „Großes Haus“. Gemeint sind einflussreiche Familienclans, die seit Jahrzehnten die Provinzpolitik dominieren. Sie kontrollieren lokale Verwaltungsstrukturen, verfügen über erhebliche finanzielle Mittel und pflegen weitreichende Netzwerke von Wahlhelfern.

In Chutiphongs Heimatprovinz Rayong ist die Familie Pitutecha eine solche politische Dynastie. Über Jahre stellte sie Abgeordnete und besetzte Schlüsselpositionen in der Provinzverwaltung. Parteipolitische Loyalität spielt dabei kaum eine Rolle – die Familie wechselte im Lauf der Zeit mehrfach das Parteibündnis.

2023 gelang es Move Forward überraschend, alle fünf Wahlkreise in Rayong zu gewinnen. Doch bei der aktuellen Wahl wendete sich das Blatt. Die inzwischen in „People’s Party“ umbenannte Bewegung verlor landesweit mehr als 20 Prozent ihrer Sitze, während die konservative Bhumjaithai-Partei stark zulegte.

Geld, Netzwerke und sozialer Druck

Nach seinem Wahlsieg habe er versucht, konkrete Probleme vor Ort zu lösen – kaputte Straßen, Stromausfälle, Umweltbeschwerden. Doch er stieß auf Widerstand. Bei lokalen Veranstaltungen sei von ihm erwartet worden, größere Geldsummen zu spenden. Als er sich weigerte, sei er ausgegrenzt worden.

„Man sagte mir, ich sei herzlos“, berichtet er. „Als ich kein Geld geben konnte, sprach man nicht mehr mit mir.“

In ländlichen Regionen seien viele Wähler weiterhin auf Patronagenetzwerke angewiesen, sagt Politikwissenschaftler Olarn Thinbangtieo von der Burapha-Universität. In einem stark zentralisierten Staat erhielten Gemeinden Ressourcen oft nur über gut vernetzte Abgeordnete. Vertrauen und persönliche Bindungen zählten mehr als politische Programme.

Zudem hätten Gerichtsentscheidungen und konservative Institutionen nach der Wahl 2023 verhindert, dass Move Forward die Regierung bilden konnte. Das habe bei vielen Wählern Resignation ausgelöst.

Stärke in den Städten – Schwäche auf dem Land

Während die People’s Party in Bangkok und Chiang Mai alle Sitze gewann, blieb ihre Unterstützung vor allem auf urbane, jüngere Wählerschichten beschränkt. Auf dem Land setzten sich erneut die etablierten Machtstrukturen durch.

Chutiphong zieht ein ernüchterndes Fazit: „Ich musste entscheiden, ob ich der Vertreter sein will, den sie erwarten – oder ob ich meinen Prinzipien treu bleibe. Die Wahlergebnisse zeigen, dass meine Idee nicht genug Menschen überzeugt hat.“

Für politische Außenseiter bleibt der Weg in Thailands Provinzen damit steinig – solange das Patronagesystem fest verankert ist.

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