Sachsen-Anhalt zittert. Nein, nicht vor Kälte – sondern vor der Frage: Bekommt das Land am Mittwoch endlich einen neuen Ministerpräsidenten oder geht das Ganze in die Verlängerung wie ein Drittligaspiel mit Elfmeterfluch?
Reiner Haseloff (71, CDU), dienstältester Ministerpräsident bis gestern und Sachsen-Anhalts stiller Dauerbrenner, hat offiziell seinen Rücktritt erklärt – „unwiderruflich“, wie man das eben sagt, wenn man keine Lust mehr auf montägliche Kabinettssitzungen hat. Zum Abschied gab’s für ihn keine goldene Uhr, sondern eine gebrauchte Weltgeschichte aus dem Antiquariat. Symbolik? Vielleicht. Oder Budgetkürzungen.
Jetzt also Sven Schulze (46, CDU), der bisherige Wirtschaftsminister und Mann mit dem Charisma eines soliden Aktenordners. Schulze soll’s richten. 49 Stimmen braucht er im Landtag – eine knappe Nummer, aber immerhin hat die sogenannte „Deutschlandkoalition“ (CDU, SPD, FDP – also das politisch bunte Allerlei mit Hang zur Selbstzerfleischung) theoretisch 56 davon. Theoretisch. Praktisch traut keiner dem anderen über den Wahlschein.
Denn das Trauma von 2021 sitzt tief: Haseloff fiel im ersten Wahlgang durch. Peinlich, aber politisch irgendwie… gewohnt. Nun droht dem Land bei einem erneuten Patzer die totale Eskalation: Kein MP – kein Weiterregieren – Neuwahlen. Und wer freut sich? Genau: die AfD, die laut Umfragen schon mit 40 Prozent am Thron sägt und sich innerlich schon für den Landtagssitz mit Doppelliege einrichtet.
Zur Beruhigung meldete sich CDU-Veteran Holger Stahlknecht zu Wort – der Mann, den Haseloff einst als Innenminister rauskickte. Er zeigt sich loyal: „Ich werde meinen Beitrag leisten“, sagte er. Ob das eine Stimme oder ein gut gemeinter Ratschlag ist, blieb offen.
Auch Ex-Bildungsministerin Eva Feußner – ebenfalls 2025 gegangen worden – sagte: „Alle sind nervös.“ Was ungefähr so überraschend ist wie Regen in November.
Die Wahl beginnt am Mittwochmorgen um 9:30 Uhr. Um Anreiseproblemen und wetterbedingtem Demokratieversagen vorzubeugen, hat die CDU ihre Leute bereits seit Montag in Magdeburg eingekaserniert. Sogar Krankenabholservice gibt’s – wer nicht kommt, wird eben geholt. Der Machtwechsel in Sachsen-Anhalt: halb „House of Cards“, halb Schulausflug.
Bleibt zu hoffen, dass diesmal keiner das Kreuz an der falschen Stelle macht. Oder überhaupt eins.
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