Piper Rockelle, einst gefeierter YouTube-Kinderstar, hat mit ihrem Einstieg bei OnlyFans eine neue Welle der Kritik ausgelöst – und zugleich in kürzester Zeit Millionen verdient. Seit dem 1. Januar ist sie auf der Plattform aktiv, auf der überwiegend Inhalte für Erwachsene angeboten werden. Laut ihrem Management hat sie am ersten Tag rund drei Millionen US-Dollar eingenommen.
Rockelle wurde am 21. August 2025 volljährig. Den Schritt zu OnlyFans habe sie „nicht leichtfertig“ getroffen, sagt sie, wohl wissend, dass viele ihrer Fans noch sehr jung sind. Doch sie wolle selbst entscheiden, wie ihre Geschichte erzählt wird – und sich nicht länger in ein fremdbestimmtes Bild pressen lassen.
„Wenn Menschen behaupten, ich sei mein Leben lang ausgebeutet worden, dann sage ich: Gut, dann beute ich mich jetzt eben selbst aus“, erklärt sie.
Aufgewachsen im Rampenlicht
Piper Rockelle wurde durch die YouTube-Reihe „The Squad“ bekannt, in der sie ab 2018 mit anderen Jugendlichen inszenierte Challenges und Beziehungsgeschichten präsentierte – unter Leitung ihrer Mutter Tiffany Smith. Schnell stieg sie zur Influencerin mit Millionenpublikum auf. Doch hinter den Kulissen herrschte offenbar Chaos.
2022 verklagten elf frühere Mitglieder des Teams Rockelles Mutter und deren damaligen Partner auf 22 Millionen Dollar – wegen emotionalem, physischem und teils auch sexuellem Missbrauch. Auch von ausbleibenden Gagen war die Rede. Smith wies die Vorwürfe zurück. Die Klage wurde 2024 mit einer Zahlung von 1,85 Millionen Dollar außergerichtlich beigelegt.
YouTube reagierte empfindlich: Rockelles Kanal wurde demonetarisiert, ihre Haupteinnahmequelle versiegte. Die damalige Situation beschreibt sie heute so:
„Ich habe erst realisiert, wie viel Geld ich verdiene, als ich plötzlich nichts mehr hatte.“
Kontrolle über das eigene Bild – oder neue Ausbeutung?
Nach dem öffentlichen Bruch suchte Rockelle nach neuen Wegen. Sie litt eigenen Angaben zufolge jahrelang unter einer Essstörung – auch ausgelöst durch den ständigen Druck und die Kommentare über ihr Aussehen. Immer wieder wurde sie von Fremden online sexualisiert, lange bevor sie volljährig war.
In der Netflix-Doku „Bad Influence: The Dark Side of Kidfluencing“ (2025) wurde ihre Geschichte einem breiten Publikum bekannt. Viele sahen sie fortan als Opfer eines Systems, das mit der Vermarktung von Kindern Milliarden verdient – auf Kosten ihrer psychischen Gesundheit.
Doch mit dem Wechsel zu OnlyFans schlägt Rockelle bewusst einen kontroversen Weg ein. Sie sagt, sie wolle nicht länger als Opfer gelten, sondern selbst über ihre Zukunft bestimmen. Kritiker*innen warnen jedoch, dass der Schritt gerade für junge Fans ein problematisches Vorbild sein könnte.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Yann Poncin erklärt:
„Teenager sehen oft nur den glamourösen Lifestyle. Was sie nicht sehen, ist der oft traumatische Weg dorthin.“
„Ich bin kein Vorbild“
Rockelle selbst weiß um die Verantwortung, die ihre Reichweite mit sich bringt. Dennoch sagt sie:
„Ich versuche nicht, ein Vorbild zu sein. Mir ist klar, dass viele Mädchen enttäuscht sein werden. Und dass manche vielleicht denken: Ich will das auch.“
Sie betont, dass ihre Entscheidung aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit entstanden sei – finanziell wie emotional. Derzeit wohnt sie in wechselnden Apartments, dreht regelmäßig Content und träumt davon, eines Tages ein Haus zu bauen und eine Katzenauffangstation zu eröffnen.
Zwischen Selbstbestimmung und Systemkritik
Rockelle ist heute 18 – und dennoch mehr Symbolfigur als Privatperson. In Interviews wirkt sie gleichzeitig abgeklärt und jugendlich, kontrolliert und nahbar. Ihre Aussagen sind durchdacht, wirken aber nie vollständig spontan. Vielleicht ist das genau der Zwiespalt, den viele spüren: Wie viel Entscheidungskraft kann jemand haben, der nie außerhalb der Öffentlichkeit aufgewachsen ist?
Sie selbst sagt:
„Ich weiß, was ich tue. Ihr müsst mir nicht sagen, wie ich meine Geschichte zu schreiben habe.“
Fazit:
Piper Rockelle steht beispielhaft für eine Generation von jungen Stars, deren Kindheit im Internet stattfand – und deren Erwachsensein nun live weiterverfolgt wird. Ob ihre Entscheidung für OnlyFans Ausdruck von Selbstermächtigung ist oder das Ergebnis eines Systems, das Kinder von Anfang an kommerzialisiert – darüber wird weiter gestritten. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Es gibt keine einfachen Antworten.
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