Paypal-Betrug mit Kleinanzeigen: Wenn der Käuferschutz nur bis zum gesunden Menschenverstand reicht
Online stöbern, Schnäppchen finden, altes Sofa loswerden – Kleinanzeigen macht’s möglich. Und damit auch alles ganz sicher ist, gibt es das wunderbar beruhigend klingende System „Sicher bezahlen“. Klingt wie eine warme Decke aus Käuferschutz, Treuhandkonto und niederländischer Zentralbankaufsicht.
Einziger Haken: Man muss dafür auf der Plattform bleiben.
Der magische Exit-Knopf ins Verderben
Kriminelle haben nämlich eine revolutionäre Idee entwickelt: Sie locken ihre Opfer einfach raus aus der sicheren Umgebung. Und zwar mit einem Klassiker namens „Paypal – ganz sicher!“.
Das Spiel funktioniert so:
- Betrüger meldet Interesse am Inserat an.
- Schlägt Paypal vor – klingt ja seriös.
- „Ups, technische Störung!“
- Opfer bekommt E-Mail.
- Klick.
- Bankdaten eingegeben.
- Geld weg.
Der Trick ist so alt wie das Internet, funktioniert aber offenbar immer noch zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk – nur eben zugunsten internationaler Echtzeitüberweisungen.
Die E-Mail, die „total echt“ aussieht
Eine 42-jährige Frau aus Thüringen verlor auf diese Weise knapp 2.000 Euro. Die Mail sah aus, als käme sie direkt vom Kleinanzeigenportal. Tat sie aber nicht. Überraschung!
Sie klickte auf den mitgelieferten „Bestätigungslink“, landete auf einer gefälschten Bankseite, loggte sich ein, bestätigte das Ganze mit TAN – und finanzierte damit unfreiwillig ein ausländisches Konto.
Man könnte sagen: moderner Zahlungsverkehr ist beeindruckend effizient. Vor allem, wenn man ihn selbst autorisiert.
Käuferschutz endet bei Eigeninitiative
Kleinanzeigen weist seit jeher darauf hin:
Sobald man die Plattform verlässt, verlässt man auch den Schutz.
Übersetzt: Wenn man auf dubiose Links klickt, seine E-Mail-Adresse preisgibt und seine Bankdaten auf einer Seite eingibt, die aussieht wie „sparkasse-sicher-paypal-verifizierung24.ru“, dann hilft auch kein Treuhandkonto in den Niederlanden mehr.
Der radikale Sicherheitstipp
Die Polizei formuliert es vorsichtig:
Nicht auf externe Links klicken.
Keine E-Mail-Adressen weitergeben.
Auf der Plattform bleiben.
Revolutionär.
Vielleicht braucht es demnächst einen neuen Button:
„Wirklich sicher bezahlen (wenn Sie nichts anklicken, was nicht dazugehört)“.
Bis dahin gilt:
Der größte Käuferschutz sitzt immer noch zwischen Tastatur und Stuhl.
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